Taylor Russell

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Generationenporträt "Waves"

Eltern wollen sich oft in ihren Kindern selbst verwirklichen, und dementsprechend sind die Freiräume von jungen Menschen ziemlich eingeschränkt. Zwischen eigenen Wünschen und den Erwartungen der Eltern ist oft nur ein schmaler Grat, auch im US-Filmdrama "Waves", das in einer afroamerikanischen Community in Florida angesiedelt ist.

Ein Kräftemessen zwischen Vater und Sohn ist es von Anfang. Der Vater von Taylor Williams behält beim Armdrücken in einem Restaurant in Florida die Oberhand, auch sonst gibt er seinem 18-jährigen Spross Regeln und Struktur - vor allem beim Sport -, freilich alles nur zum vielzitierten Besten. Denn als Afroamerikaner müsse man sich, so Vater Williams, bei allem zehnmal so viel anstrengen wie andere.

Enttäuschte Erwartungen

Die Erfolge der Familie Williams könnten sich aber sehen lassen: familieneigenes Bauunternehmen, geräumige Villa, teure Autos, also aufstrebende Mittelklasse. Doch materielle Fassade und körperliche Protzerei bröckeln, wenn Gefühle ins Spiel kommen: Versagensängste, Erwartungen, die der Sohn nicht erfüllen kann, herbe Enttäuschungen, Verlassen werden, vorbei die "Ewige Liebe".

Die andere Seite

Taylors Emanzipation misslingt, die toxische Männlichkeit endet letztlich in einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Justiz. Eine Familie bricht auseinander. Doch da ist der Film erst bei der Hälfte. Dass es auch anders geht, demonstrieren die ebenfalls halbwüchsige Tochter und ihr nicht afroamerikanischer Freund im zweiten Teil des Films: Nicht druck und Leid, sondern Verständnis und Empathie sind die Basis ihrer Beziehung.

Formal ambitioniert

Regisseur Trey Edward Shults spürt jugendlichen Lebensgefühlen zwischen Zwang und Freiheitsdrang nach, zwischen Anpassung und Selbstverantwortung, formal durchaus ambitioniert: Die Kamera kreiselt nicht nur Teenager in Partylaune schwindlig, sondern auch die Kinozuseher, verengt sich die Lebensperspektive der Protagonisten, verkleinert sich auch sukzessive der Bildausschnitt und umgekehrt, Lebenswelten unter Künstlichkeitsverdacht taucht Schults in einen opulenten Farbenrausch.

Filmplakat

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Versöhnung statt Konfrontation

Die Trennlinien im Drama "Waves" werden nicht primär zwischen Rassen, Hautfarbe und Geschlechtern gezogen, sondern zwischen Lebenseinstellungen und Erziehungsmustern: authentische Kommunikation statt Macho-Pose ist angesagt, Gefühle zulassen statt unterdrücken, Versöhnung statt Konfrontation.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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