Jean-Paul Dubois posiert mit seinem Buch an einem  Fester

AFP/ALAIN JOCARD

Prämierter Roman von Jean-Paul Dubois

"Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise", der im Herbst mit dem renommierten Prix Goncourt ausgezeichnete Roman von Jean-Paul Dubois, liegt nun auch auf Deutsch vor - eine mit feinem Humor gewürzte Hommage an die Menschlichkeit.

Es ist eine unmögliche Beziehung in unmenschlicher Umgebung: Paul Hansen, ein Hausmeister und von Grund auf freundliches Wesen, findet sich in einer düsteren Gefängniszelle wieder: gemeinsam mit Patrick Horton, einem mit Tattoos übersäten Hünen und Bandenmitglied der Hells Angels. Beim Biker, einem schroffen Kerl, dem man jedes Verbrechen zutraut, wird rasch klar, warum er in der sechs Quadratmeter kleinen Zelle sitzt. Doch die Umstände für Paul Hansen zweijährige Gefängnisstrafe bleiben lange rätselhaft.

"Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise" lautet der Titel von Jean-Paul Dubois Roman, und tatsächlich leben diese zwei völlig unterschiedlichen Charaktere nebeneinander, miteinander und im Einklang.

Unvorstellbares gelingt …

"Ich wollte, dass diese beiden Männer in diesem Loch ihre kleine Welt erschaffen. Sie schneiden einander die Haare, verrichten ihr Geschäft vor dem jeweils anderen. Etwas völlig Unvorstellbares." Aber es sei ihnen gelungen, genügend Menschlichkeit und Toleranz zu entwickeln, sagt der Autor.

"Meine Toten machen aus mir ein Ganzes" Jean-Paul Dubois

Die Geschichte rund um den Hausmeister Paul Hansen spielt in Kanada; der Ich-Erzähler berichtet von seinem geordneten Leben, seiner großen Liebe, seinen Eltern. Der Vater war dänischer Pastor, der den Glauben an Gott verloren hat, die Mutter ein herzlicher Hippie. Doch alle Menschen, die Paul Hansen nahe standen - ja sogar die Hundedame Nouk - sind tot. Die Toten seien ein ständiger Begleiter, erklärt Jean-Paul Dubois: "Meine Toten sind unentbehrlich, sie machen aus mir ein Ganzes."

Buchcover

DTV

Jean-Paul Dubois' Roman wurde von Nathalie Mälzer und Uta Rüenauver übersetzt und ist bei dtv erschieden.

Wider die Niedertracht

Es wird ein feinfühliger, keineswegs gebrochener Alturist gezeichnet, der in der Gefängniszelle viel Zeit hat nachzudenken und Erlebtes aufzuarbeiten. In Gesprächen mit seinem Zellengenossen Horton wird allmählich klar, dass Hausmeister Paul Hansen von einem niederträchtigen Vorgesetzten drangsaliert wurde.

Jean-Paul Dubois: "Der Ich-Erzähler hat zwar keine Macht - und er will sie auch nicht -, aber er erträgt es nicht, von anderen beherrscht zu werden. Man stellt sich doch immer auf die Seite jener, die etwas erleiden müssen. Hier halte ich es mit Ken Loach, seine Filme sind großartig und politisch. Und ich kann mich völlig mit diesem Zugang identifizieren."

"Der Mann existiert wirklich"

Zumal sich Jean-Paul Dubois auch von einem echten Hausmeister-Helden inspirieren ließ, den er in Montreal kennengelernt hat: "Der Mann existiert wirklich, er ist der Hausmeister und Retter meiner kranken Schwiegermutter. Er hat sie, als sie spät nachts im Winter durch die Straßen irrte, gefunden und nach Hause gebracht."

Kleine Heldentaten und große Ungerechtigkeiten beschreibt Jean-Paul Dubois in seinem Roman. "Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise" ist eine mit feinem Humor gewürzte Hommage an die Menschlichkeit.

Service

Jean-Paul Dubois, "Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise", Roman, übersetzt von Nathalie Mälzer und Uta Rüenauver, dtv, Originaltitel: "Tous les hommes n'habitent pas le monde de la même façon"

Gestaltung

  • Cornelia Primosch

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