Ausschnitt des Covers, purpurfarbene Tankstelle

UNIVERSAL MUSIC

Neues Album der Doves

Mit "The Universal Want" gibt die englische Band ein Comeback, mit dem wohl niemand mehr gerechnet hätte. Das in Originalbesetzung - mit den Zwillingen Jez und Andy Williams und Sänger Jimi Goodwin - aufgenommene Album wurde schon nach den ersten Singles mit Lob überhäuft.

Nach vier sehr erfolgreichen Alben zogen sich die Doves 2009 zurück. Auf unbestimmte Zeit, wie es ursprünglich hieß; was im Normalfall durchaus mit "für immer" übersetzt werden kann. Nach der jahrelangen Stille überraschte die Band aus Manchester im Juni dann mit der Ankündigung eines neuen Albums.

Morgenjournal | 14 09 2020

David Baldinger

Drei Freunde in geheimer Mission irgendwo in einem Studio außerhalb von Manchester. Mit geborgten Instrumenten und keiner Ahnung, wohin dieses Abenteuer führen würde. "Niemand wusste, dass wir an neuem Material arbeiteten, woher denn auch", meint Sänger Jimi Goodwin. "Ich denke, die Welt wartete nicht auf ein neues Doves-Album. Wenn, dann warteten meine Freunde Jez und Andy und ich." Dieses erste zarte Anbandeln fand 2017 statt.

Verlorene Seelen

Mit dem Debütalbum "Lost Souls" im Jahr 2000 begann der Erfolgslauf der Doves. Schnell fanden sich die drei allerdings in einer Tretmühle aus Alben und Tourneen, die sie zehn Jahre später erschöpft und voneinander gesättigt wieder ausspuckte. "Früher sind wir von Montag bis Freitag ins Studio gepilgert. Egal wie das Wetter war. Für uns war es unser Arbeitsplatz, unser Büro", sagt Goodwin. Diesmal wollten sie die Dinge anders angehen. "Wir wollten nachsichtiger mit uns selbst umgehen. Wenn also jemand nicht im Studio sein wollte, dann musste er nicht. Das hat die Sache aufgelockert."

Mit mittlerweile 50 fühlten sich die drei zudem endgültig von allen Coolness-Zwängen befreit. Herausgekommen sind Lieder von beeindruckender Statur. Voller Wärme, Sehnsucht und Verlangen, kompakt in der Inszenierung und elegant im Songwriting. Jez Williams Gitarre und der Beat seines Zwillingsbruders treiben an, Goodwins warme Stimme trägt die emotionalen Schattierungen auf.

"The Universal Want" spricht nicht nur im Titel die Dimension der Gemeinschaft an, sondern verströmt insgesamt ein Gefühl der Verbundenheit. "Im Idealfall ist Musik ein Gemeinschaftserlebnis, sicher", stimmt Goodwin zu. "Aber wir sind der Sache nie mit diesem Gefühl von Wichtigkeit oder Erhabenheit gegenübergetreten."

Von der Unschuld der Gitarre

Der warme Anstrich der Platte kommt auch daher, dass die Doves weiterhin an die Unschuld der Gitarre glauben und zwar ganz ohne Ironie. "The Universal Want" ist klassischer Pop ohne Nostalgie-Glasur. Umso erstaunlicher, dass die Band auf Spotify gerade die Gruppe der 16 bis 22-jährigen besonders anspricht.

Teil der Doves-Identität ist auch der trotzige Optimismus unter ihrer melancholischen Patina. Immer wieder, wie im Song "For Tomorrow" besingt Goodwin die Möglichkeit der Versöhnung, die Chance auf Erlösung. "Es gibt viele Doves Texte, die eine Sehnsucht nach etwas Besserem ausdrücken. So in der Art: ‚Morgen wird alles besser, viel schlimmer als heute geht’s auch nicht mehr‘", sagt Jimi Goodwin dazu.

Das passt zu diesem Jahr, in dem Trost und Aufmunterung, ohne dabei naiv zu klingen, besonders gefragt sind. Mit "The Universal Want" retten die Doves den Sound der frühen 2000er ins Jetzt - ohne dabei nostalgisch zu werden oder wie eine Retro-Band zu klingen.

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