Gebäude in St. Marx

FRANZI KREIS

Ein neues Zuhause für brut

Für das brut - Wiens Theaterhaus für performative Kunst und die freie Szene - hat die Suche nach einem neuen Haus endlich ein Ende. Am Wochenende wurde bekannt gegeben, dass ein ehemaliges Bankgebäude in St. Marx ab 2023 zur Verfügung stehen wird.

Die Stadt Wien übernimmt die Sanierungskosten von 6,9 Millionen Euro und investiert damit in ihren eigenen Besitz. Die Lösung war höchst an der Zeit, denn seit drei Jahren zog das brut ohne Zentrum und Heimstätte durch die verschiedenen Bezirke und Spielstätten der Stadt. Eine Rückkehr in sein altes Zentrum im Künstlerhaus am Karlsplatz erschien immer unwahrscheinlicher, seit die Albertina Modern in das von Hans Peter Haselsteiner renovierte Haus gezogen war. Bis zur Fertigstellung des neuen Hauses in St. Marx dauert es noch drei Jahre. Und so heißt es mobil bleiben. Ab März wird man zunächst einmal eine Halle in der Nordwestbahnstraße zwischennutzen.

Hundezentrum, Schwimmbad und Gewächshaus

Das brut ist in den letzten Jahren ziemlich herumgekommen. Fabriken und Volkshochschulen, Museen und Kinos, große Hallen und kleine Tanzstudios, hat man bespielt - aber auch Buschenschank, Sternwarte Hundezentrum, Schwimmbad und Gewächshaus waren unter den Spielstätten. "Wir waren seit Beginn meiner Intendanz in 90 verschiedenen Spielorten in 19 Bezirken und jetzt eine Perspektive zu haben ist sehr, sehr gut", sagt Kira Kirsch. Seit fünf Jahren leitet sie das brut. Mehr als die Hälfte davon hat sie wandernd verbracht.

Durch den Umbau des Wiener Künstlerhauses heimatlos geworden, wurde es später durch den Einzug der Albertina Modern aus seinem Stammhaus verdrängt. Die neuen Auflagen hätten die Rückkehr ins Haus erschwert, die von 2 auf 5 Millionen angewachsenen Umbaukosten wollte die Stadt Wien nicht investieren. Jetzt investiert sie fast 7 Millionen Euro in die Zentralbank-Zweigstelle St. Marx und damit in ein Gebäude der Stadt Wien.

Wien investiert 7 Mio. Euro

"Da wir eine Institution sind, die von der Stadt Wien gefördert ist, bietet das einen wahnsinnigen Vorteil: brut und somit der freien Szene wird dieses Haus erhalten bleiben", freut sich Kira Kirsch. "Es kann nicht mehr Ziel von kapitalistischen Spekulationen werden oder von politischen Reibereien ...

… Dieses Haus gehört der Stadt, gehört somit brut und der freien Szene."

Die freie Szene ist indessen gar nicht so glücklich mit der Abwanderung aus dem ersten Bezirk. Lange hat sie um einen Verbleib im Künstlerhaus gekämpft, protestiert, offene Briefe geschrieben und auf die Symbolik des Hauses im Innenstadtbereich verwiesen. St. Marx ist Peripherie sagen deren Vertreter.

Freie Szene: "St. Marx ist Peripherie"

"Dritter Bezirk ist nicht Peripherie", sagt Kira Kirsch; und sie muss es wissen: "Wir waren tatsächlich unter anderen an sehr, sehr peripheren Orten. Und es hat sich gezeigt, dass das Publikum bereit ist, sich zu bewegen, andere Orte aufzusuchen. In meiner Wahrnehmung wir der erste Bezirk nicht wahnsinnig frequentiert." St. Marx sei ein lebendiges, sich in Entwicklung befindliches Quartier.

Rund 160 Sitzplätze - das sind annähernd so viele wie früher -, wird das neue brut in einem schönen alten Backsteingebäude fassen; dazu eine große Bühne, Proberäume, Freiflächen und Gastronomie. Für die drei Umbaujahre bekommt man im März eine Industriehalle der Nordwestbahn im 22. Bezirk zur Verfügung gestellt. Bis dahin heißt es weiter herumziehen. Die Saison startet man etwa in der Volkshochschule Rudolfsheim, in einer holzverschalten Mehrzweckhalle mit zurückhaltendem Charme.

Rabtaldirndln eröffnen Saison in Rudolfsheim

Doch Kira Kirsch ist bescheiden geworden: "Wir finden den Raum wahnsinnig schön, und er ist für Corona-Zeiten optimal, weil man nach allen Seiten lüften kann, weil er sehr groß ist, weil wir das sehr viel Platz und draußen einen schönen Vorplatz haben." Wie geschaffen sei der Raum für Gin Müllers "Sodom Vienna Performance", eine Art queere 20er-Jahre-Revue von der Geburt des Roten Wien bis in die Gegenwart. Die ist in der kommenden Saison ebenso zu sehen, wie Arbeiten von Toxic Dreams, Nesterval oder dem schwarzhumorigen, feministischen Kollektiv der Rabtaldirndln.

Service

brut Wien - Eröffnet wird die neue Saison am 3. Oktober mit der Performance "Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien" in der Volkshochschule Rudolfsheim-Fünfhaus.

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