Julia Schneckenleitner

Julia Schneckenleitner - ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Julia Schneckenleitner, Saxophon

Julia Schneckenleitner, geboren 1999 in Waidhofen/Ybb, hat ein Instrument gewählt, das - nach eigener Aussage - zu ihrem Charakter passt: quirlig, lebendig, mit manchmal doch auch ruhigeren Anklängen. Im Jänner 2020 konnte sie beim Bielsko-Biala International Saxfest in Polen reüssieren, wo sie im Rahmen der Miniature Competition den zweiten Platz erspielte.

Was ist Kunst?

Die Definition aus dem Duden lautet: „schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne, in Auseinandersetzung mit Natur und Welt“. Dem Duden kann ich in dem Sinn sicher nicht widersprechen, denn Kunst hat sehr viele Gesichter. Für mich persönlich ist der Sinn der Kunst aber, einen Menschen auf irgendeine Art und Weise zu berühren, die mit Worten so nicht möglich ist. Mit rein gesprochenen Worten kann ich schnell einmal einem Menschen sagen, was ich gerade denke oder empfinde und er wird es zur Kenntnis nehmen, oder nicht weiter darüber nachdenken. Musik oder Bilder, um nur zwei der Teilbereiche des großen Komplexes „Kunst“ zu nennen, schaffen dies auf einer viel tiefer liegenden Ebene, die man gar nicht richtig beschreiben kann.

Wie Sind Sie zur Kunst gekommen?

Zu dem Zeitpunkt als ich gemerkt habe, wie viel Freude ich Menschen mit meiner Musik bereiten kann. Saxophon gespielt habe ich schon vorher.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Eine gesunde Mischung aus allen Dreien. Ich habe die Möglichkeit Kunst auszuüben, also kann ich. Ich muss ein bissl was dafür tun, sonst wird es nicht. Aber am meisten sollte ich es wollen! Denn wenn man etwas wirklich will, dann erreicht man es auch irgendwann. Man darf sein Ziel nur nie aus den Augen verlieren.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

In der Elbphilharmonie in Hamburg, dieses Gebäude hat mich aufgrund seiner Bauweise vom ersten Augenblick an gefesselt. Ich verstehe überhaupt nichts von Architektur, aber für die Architekten muss es einfach die reinste Freude gewesen sein, sich beim Planen der Außenfassade und der verschiedenen Säle so kreativ auszutoben!

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Hier kann ich mich leider nicht so genau festlegen. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die Interessantes und Spannendes zu sagen haben und die einen auf irgendeine Art und Weise inspirieren.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Die Kunst ist meiner Meinung nach sehr vom Markt abhängig. Ohne Nachfrage durch den Markt stirbt die Kunst leider aus.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Der Markt verträgt sehr viel Kunst, nur leider erträgt die Kunst den Markt viel zu sehr. Mittlerweile ist es jedem immer und überall möglich, an Kunst zu kommen. Das macht es für den einzelnen Künstler oft schwer, sein Projekt an den Markt zu bringen und Publikum zu sich zu holen.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Vermutlich für Saxophonblätter, sonst kann ich ja nicht mehr spielen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Schwer zu sagen. Egal ob ich heute in zehn Jahren gerade auf der Bühne stehe, auf einen Berg hinauf klettere oder im Bett liege, ich möchte voller Energie, gesund und auch ein bisschen stolz auf das sein, was ich davor gemacht und geleistet habe.

Haben Sie einen Plan B?

Nichts zu Konkretes, aber es hätte vermutlich mit Sport zu tun. Solange es geht und möglich ist, halte ich aber an Plan A fest!

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Ich falle so oft durch irgendetwas auf, das bekomme ich eigentlich gar nicht mehr mit, aber ich denke (und hoffe) meistens nicht unangenehm!

Wollen Sie die Welt verändern?

Ja, das möchte ich. Mir ist bewusst, dass ich als Einzelperson sicher nicht so viel bewegen kann. Aber eines meiner Tagesziele ist es, jeden Tag einen Menschen in meiner Umgebung zum Lächeln oder sogar zum Lachen zu bringen. Am schönsten ist es für mich natürlich, wenn dies durch meine Musik passiert. Wenn ich also dazu beitragen kann, dass eine Person positiv auf ihr Umfeld reagiert und dies vielleicht auf die nächste Person abfärbt, dann habe ich mein Ziel erreicht und zumindest das Gefühl, etwas ganz kleines in der Welt verändert zu haben. … Ich gehe quasi gegen den traditionellen „Wiener Grant“ vor.