Ausstellungsansicht, Kajetan Berlin

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Vienna Contemporary trotzt der Krise

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurden so gut wie alle internationalen Kunstmessen abgesagt. Nur in Wien findet trotz widriger Umstände die Vienna Contemporary und die Nebenmesse "Parallel" statt. Aufgrund der Reisewarnung, die einige europäische Länder - darunter Deutschland - für Wien ausgesprochen haben, werden nur wenige internationale Sammler und Sammlerinnen erwartet. Laut Messebetreibern sei es dennoch wichtig, dass der Kunststandort Wien in ökonomisch schwierigen Zeiten ein Lebenszeichen von sich gibt.

Schon im Vorfeld war die Aufregung groß. 22 heimische Galerien probten im Juli den Aufstand. Von der heimischen Kunstmesse Vienna Contemporary forderten sie Visionen, die einen Messebetrieb in Zeiten der Coronakrise für Aussteller attraktiv mache und eine deutliche Reduktion der Standkosten. Zumindest was den zweiten Punkt betrifft, gab der russische Eigentümer Dimitri Aksenov nach: Mit einem großzügigen Rabatt konnten immerhin 65 Galerien aus 16 Ländern gewonnen werden. Bis Sonntag stellen sie in der Marxhalle aus. "Die Besucherinnen haben dieses Jahr die Möglichkeit, in einem kleineren und intimeren Rahmen mit Galeristinnen und Künstlern in Kontakt zu treten. Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, die Sichtbarkeit der Galerien zu erhöhen", so die künstlerische Leiterin der Vienna Contemporary Johanna Chromik.

Johanna Chromik

Johanna Chromik

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Lokaler und konzentrierter

Während die Highlights des Kunstmarkt-Herbstes die Frieze Art Fair in London und zuletzt auch die FIAC in Paris abgesagt wurden, hofft Wien auf die heimische Sammlerszene. Denn spätestens seitdem die Corona-Ampel in der Bundeshauptstadt auf orange gestellt wurde, rechnet man nur noch mit wenigen internationalen Gästen. Ursula Krinzinger von der Galerie Krinzinger, denkt dennoch, dass die Entscheidung die Messe abzuhalten, richtig gewesen sei. "Es ist ein Ausnahmejahr, das uns alle vor große Herausforderungen stellt! Wir werden sehen, ob die österreichischen Sammlerinnen und Museen die Galerien jetzt stützen", so Krinzinger.

Feministische Statements

Auf der Messe setzt die Galerie Krinzinger ein feministisches Statement und zeigt acht Künstlerinnen. Darunter internationale Stars wie Marina Abramović und heimische Größen wie Brigitte Kowanz. Doch die Strahlkraft großer Namen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Vienna Contemporary in diesem Jahr lokaler ausfallen wird. Ein Timeslot-System, Tickets gelten also nur in einem bestimmten Zeitraum, wird dafür sorgen, dass sich in der weitläufigen Halle nie mehr als 2500 Besucherinnen aufhalten. Zudem werden Tickets nur gegen die Angabe von Kontaktdaten ausgegeben, so dass ein "Contact Tracing" möglich sei. Doch trotz ausgeklügelten Sicherheitsmaßnahmen konnten einige Galeristen nicht anreisen. Die Aussteller aus Ungarn etwa schickten aufgrund strenger Quarantänebestimmungen in ihrem Heimatland nur Kunstwerke nach Wien, persönlich anwesend werden sie nicht sein.

"Es ist ein außergewöhnliches Jahr!"

"Ich hoffe, dass wir dazu beitragen können, das Angebot auf der Messe vielfältiger zu machen und ich hoffe, dass österreichische Sammlerinnen und Institutionen auf unsere Galerie aufmerksam werden", sagt Margit Valko von der Budapester Galerie Kisterem, die auf der Messe unter anderem die aufstrebende ungarische Künstlerin Kitti Gosztola zeigt. In Zeiten, in denen die politischen Bruchlinien zwischen Ost- und West gerade auf europäischer Ebene immer sichtbarer werden, wird der seit Jahren ausgebaute Ost- und Südosteuropa- Schwerpunkt der Vienna Contemporary zum großen Alleinstellungsmerkmal, das das Potential birgt im mitunter gesichtslosen internationalen Messekarussell zu punkten. In diesem außergewöhnlichen Jahr stand freilich das Krisenmanagement im Mittelpunkt. Steht zu hoffen, dass die Messe sich im nächsten Jahr wieder darauf konzentrieren kann, inhaltliche Stärken auszubauen.

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