James Baldwin

James Baldwin - CC BY-SA 3.0

Momente der Hoffnung

"Wie könnte ich ohne Hoffnung leben", sagte einst Franz Kafka. Und der Schriftsteller James Baldwin meinte: "Ich lebe eine Hoffnung wider besseres Wissen." Die Verlegerin Elisabeth Raabe lässt im Literaturkalender 2021 Schriftsteller über Momente der Hoffnung sprechen.

Krisenzeiten sind auch Hoffnungszeiten, so lautet das Motto des Literaturkalenders 2021. Egal ob im Krieg oder in der Liebe, während einer Pandemie oder einer ganz banalen Schreibblockade, meint Verlegerin Elisabeth Raabe: "Die Hoffnung auf die Erfüllung einer guten Ehe - wie Virginia Woolf, oder die Hoffnung, schreiben zu können - wie Camus oder Oscar Wilde, oder auch die gesellschaftspolitische Hoffnung auf die Revolution, dass aus dieser etwas Gutes entsteht wie bei Semprun."

Leporello | 05 11 2020

Hanna Ronzheimer

"Als wäre aller Schnee, der so lange die Buchen im Wald um Buchenwald bedeckt hatte, gerade geschmolzen, geschüttelt von einem Windstoß des Frühlings, der die roten Fahnen flattern, sich entfalten ließ, sie plötzlich mit Flor bedeckte, der nicht der der Trauer war, sondern der glänzende Flor der Hoffnung." - Jorge Semprun

Kalenderblatt

EDITION MOMENTE

Briefen, Interviews, Tagebücher

Entnommen hat Elisabeth Raabe die Zitate stets aus persönlichen Briefen, Interviews, Tagebüchern oder anderem authentischem Material. Ergänzt werden sie von großformatigen Porträts der hoffnungsvollen Protagonisten. "Es gibt viele verschiedene Aspekte, natürlich auch die enttäuschte Hoffnung von Iris Murdoch." Der schweizer Max Frisch ist einer der scheinbar hoffnungslosesten Autoren im Literaturkalender 2021. Von ihm ist folgendes lebensphilosophisches Zitat übermittelt:

"Wir leben auf einem laufenden Band, und es gibt keine Hoffnung, dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. Wir sind das Damals, auch wenn wir es verwerfen, nicht minder als das Heute … Man rechnet nicht mit der Hoffnung, dass man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt, klüger sei. Man ist, was man ist." - Max Frisch

Krisenzeiten sind auch Hoffnungszeiten

Für viele Autoren war die Hoffnung auf politische Verbesserung eine treibende Kraft, aus der sie schöpfen konnten, sei es im Apartheitsregime in Südafrika oder während des Faschismus in Europa. Die österreichische Autorin Ilse Aichinger überlebte mit ihrer jüdischen Mutter im nationalsozialistischen Wien. Der polnisch-amerikanische Autor Isaac Singer wiederum erzählt über seine Kindheit im Warschau. "Er spricht von einer schlimmen Grippeepidemie 1917, und wie sie dann zum Großvater, dem Rabbi, aufs Land fahren. Das ist die große Hoffnung in dem Moment."

Thomas Bernhard würde im kommenden Jahr seinen 90. Geburtstag feiern. Im Literaturkalender sieht man ihn mit weißen Schuhen und dunklem Jackett an einem Strand in Portugal stehen und auf das Meer blicken. Er hoffte auf ein gutes Verhältnis zu seinem Verleger.

Krisenzeiten sind auch Hoffnungszeiten, so lautet das Motto des Literaturkalenders 2021. Egal, ob im Krieg oder in der Liebe, während einer Epidemie oder einer ganz banalen Schreibblockade, resümiert die Verlegerin. "Od das Baudelaire ist, der gehofft hat, dass ‚Die Blumen des Bösen‘ ein Erfolg wird. Gerade Autoren leben mit ihrem Schreiben immer von der Hoffnung, dass das ankommt, was sie sagen wollen."

Service

Elisabeth Raabe (Hg.), "Der Literatur Kalender 2021 - Momente der Hoffnung", Texte und Bilder aus der Weltliteratur, edition momente

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