Kay Voges

APA/HANS PUNZ

Alles neu im Volkstheater - Kay Voges

Der neue Volkstheater-Direktor Kay Voges hat seinen ersten Spielplan vorgestellt und gibt Einblick in die künftige Ausrichtung des Hauses. Voges, der zuletzt Intendant in Dortmund war und dessen Namen bis zum Vorjahr hierzulande den wenigsten bekannt war, hat sich mittlerweile in einigen Interviews vorgestellt und im Burgtheater mit "Dies irae" eine Kostprobe seiner Arbeit geliefert.

Mittagsjournal | 09 11 2020

Kathrina Menhofer

Aufgrund der aktuellen Situation hat er auf eine Pressekonferenz verzichtet und sein Programm den Medienvertreten in einem kurzen Film präsentiert. Noch befindet sich das Theater in der Endphase der Generalsanierung, im Jänner soll es im neuen Glanz erstrahlen.

Eine weitere Farbe für die Kulturstadt Wien

Ein Neuanfang ohne Trommelwirbel und Tusch, ohne Antritts-PK und Mediengetöse. Dafür mit einem Programm voller Fragezeichen. Der Zuversicht des Kay Voges tut das keinen Abbruch: "Das Theater wird weiterbestehen, egal wie oft es totgesagt wurde, auch das werden wir überstehen. Irgendwann wird der Vorhang wieder aufgehen, und wir werden weiterspielen. Wir haben jede Menge Pläne und jetzt warten wir auf den Moment, wo wir sie umsetzen können."

Kulturjournal | 10 11 2020 | Ein Gespräch mit Neo-Volkstheaterdirektor Kay Voges über die künftige Ausrichtung des Hauses

Kathrina Menhofer

Kay Voges

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Grenzgänger/innne zu Gast

Kay Voges kehrt den Staub aus dem Haus, der auch im Zuge der Generalsanierung entstanden ist und lädt Künstler/innen ins Volkstheater, die sich als radikale Grenzgänger einen Ruf erworben haben - vom unangepassten, umstrittenen Universalkünstler Jonathan Meese bis zur Verfremdungs-Regisseurin Susanne Kennedy, von der radikal-feminsitischen Autorin Lydia Haider bis zur Choreografin Florentina Holzinger, vom Dokumentar-Theater-Kollektiv Rimini Protokoll bis zum isländischen Videokünstler Ragnar Kjartansson.

"Wir haben Künstlerinnen und Künstler zu uns holen können, die starke und eigenständige Handschriften besitzen und die sich auf radikale und aufregende neue Weise mit der Gegenwart auseinandersetzen. Das Programm, das wir hier bieten, kann eine weitere Farbe werden für die Kulturstadt Wien."

Ernst Jandl zum Auftakt

Unter den Autor/innen finden sich Thomas Melle, Wolfram Lotz, Elfriede Jelinek und Robert Musil, Thomas Bernhard und Samuel Beckett. Fünf Regiearbeiten wird Voges selbst übernehmen, den Beginn macht er am 8. Jänner mit Ernst Jandls "Der Raum" - ein szenisches Gedicht für Beleuchter und Tontechniker.

"Es werden keine Darsteller/innen zu sehen sein auf der Bühne und es werden keine Worte fallen, in diesem Prolog, es geht eher um einen Gedanken über das Theater, über das Licht und den Ton, über den Möglichkeitsraum Theater - was bedeutet uns eigentlich Theater. Ich glaube, dass dieses coronakompatible Stück, gerade jetzt, ein schönes Sinnbild sein kann für das, was mit den Theatern gerade passiert, wenn sie zu sind", so Voges,

Von Rimini Protokoll geführt

Die Chance sich das Haus genau anzuschauen hat man gleich danach auch in dem Stück "Blackbox". "Rimini Protokoll macht einen ‚audiowalk‘, das heißt man läuft alleine durch das Theater und bekommt Geschichten erzählt - wie in einer Geisterbahn, von Station zu Station."

Unter der Schiene Volkstheater Spezial wird es weitere ungewöhnliche Formate im Haus geben, etwa Konzerte der deutschen Independant Band The Notwist oder auch eine Lesung von Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" im ganzen Haus und vom gesamten Ensemble.

Ein großartiges Ensemble

Das 19-köpfige Ensemble kommt größtenteils aus Dortmund, vier Darstellende wurden von Anna Badora übernommen, darunter Claudia Sabitzer und Günter Wiederschwinger. "Es ist ein großartiges Ensemble, ich konnte schon eine Woche mit ihnen arbeiten. Es sind eigenständige, kluge und sehr mutige Künstler im Alter von 22 bis 64 Jahren und der Mut und die Neugierde zeichnet dieses Ensemble aus", freut sich der Direktor.

In den Bezirken

Das Volx Margareten soll weiterbestehen, aber nicht mehr für einen Repertoirebetrieb, sondern für ein en suite Programm mit ein bis Produktionen im Jahr, und als Probebühne. Und auch das Volkstheater in den Bezirken wird mit zwei Uraufführungen auf neue Beine gestellt.

"So wollen wir in den Bezirken nicht in Konkurrenz stehen mit den großen Häusern in Sachen Illusionstheater, wir können in den Gemeindebauten und Volkshochschulsälen kein großartiges Illusionstheater wie im Burgtheater herstellen. Aber wir können diese Säle dazu nutzen, wozu sie eigentlich gebaut wurden, als Townhalls, als Orte des Begegnens, des Diskutierens und Erlebens. Und wir kommen mit den Themen der Menschen in diese Townhalls."

Theater mit Leidenschaft

Literatur, Theater, Kunst, Musik, Tanz und Pop - ähnlich breit und genreübergreifend wie die Wiener Festwochen - soll das Volkstheater in Zukunft aufgestellt sein. Auf Abonnenten, Stammbesucher oder ein älteres Publikum, muss kaum noch Rücksicht genommen werden. Die hat das Volkstheater im Laufe der letzten Jahre schon auf der Strecke gelassen. Das erleichtert Kay Voges den Neustart im bekanntermaßen schwierigen Haus und erspart ihm wohl jenen Spagat, der so manchen seiner Vorgänger zerrissen hat.

Ob es ihm, der künftig drei Millionen Euro mehr an Subvention zur Verfügung haben wird gelingen wird, mit seinem Programm täglich mehr als 800 Plätze zu füllen, wird die Zukunft zeigen. "Ich glaube, wir brauchen Beharrlichkeit und Willen, um das ins Laufen zu bringen. Aber wenn wir mit Leidenschaft Theater machen, werden wir Stück für Stück die Herzen der Menschen dieser Stadt erobern können", zeigt sich der Direktor optimistisch.

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