Frau hält Bild von Engels hoch

AFP/BULENT KILIC

Dimensionen

Für soziale Gerechtigkeit

Zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels.

"Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus." So beginnt das von Friedrich Engels und Karl Marx 1848 verfasste "Kommunistische Manifest". Während die revolutionären Thesen meist mit Marx in Verbindung gebracht werden, stand und steht Engels im Schatten seines Freundes, den er uneigennützig und finanziell großzügig unterstützte. Engels war eine vielschichtige Persönlichkeit: Philosoph, Nationalökonom, polyglotter Journalist, hedonistischer Bohemien mit Vorliebe für Champagner und Fuchsjagden, Revolutionär und Barrikadenkämpfer.

Paläste für die Reichen, Höhlen für die Armen

Geboren wurde Friedrich Engels am 28. November 1820 als Sohn einer wohlhabenden Industriellenfamilie in Wuppertal. Er interessierte sich schon in frühen Jahren für ökonomische Probleme und kritisierte bereits 1839 in seinen "Briefen aus dem Wuppertal" "das schreckliche Elend unter den Fabrikarbeitern". Seine antikapitalistische Einstellung teilte er mit Marx, mit dem er zahlreiche Schriften verfasste.

Beide beteiligten sich aktiv an der Revolution von 1848; sie sahen darin eine Möglichkeit, die unerträglichen sozialen Zustände zu beenden. Verantwortlich für diese ungerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums machten Marx und Engels das Privateigentum der Kapitalisten, die - als Eigentümer von Fabriken oder Betrieben - über den Lohnarbeiter, den Proletarier nach Belieben verfügen konnten. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung hatte als Folge der industriellen Revolution zwar eine gewaltige Produktivität entfaltet, diese kam aber nur wenigen zugute. Sie produzierte zwar Paläste für die Reichen, aber Höhlen für die Armen.

Zur Lage der arbeitenden Klasse in England

Wie diese Höhlen aussahen, schilderte Engels detailliert in der 1845 publizierten Schrift "Die Lage der arbeitenden Klasse in England". Die ausführliche Studie, die im Zentrum der vorliegenden Sendung steht, entstand nach einem längeren Aufenthalt Engels’ in verschiedenen Städten. Seine persönlichen Eindrücke ergänzte er durch Zeitungsartikel und wissenschaftliche Publikationen.

Ein Werk von bestürzender Aktualität …

Dieses Werk ist von bestürzender Aktualität, was Obdachlose und Migrant/innen in westlichen Industrieländern betrifft: "In London stehen jeden Morgen fünfzigtausend Menschen auf, ohne zu wissen, wo sie für die nächste Nacht ihr Haupt hinlegen sollen. Die Glücklichsten gehen in ein sogenanntes Logierhaus, wo sie für ihr Geld ein Unterkommen finden. Aber welch ein Unterkommen! Das Haus ist von oben bis unten mit Betten angefüllt. In jedes Bett werden vier, fünf, sechs Menschen gestopft - Kranke, Gesunde, Alte und Junge, Männer und Weiber, Trunkene und Nüchterne, wie es gerade kommt, alles bunt durcheinander."

Aber auch die Arbeitsbedingungen, die heute noch in Ländern des globalen Südens herrschen, hat Engels am Beispiel der Kinderarbeit in den Kohlengruben geschildert: "Die Kinder - die meisten im Alter von etwa acht Jahren - werden gebraucht, um die Zugtüren, welche die verschiedenen Abteilungen des Bergwerks trennen, zu öffnen und zu schließen. Um diese Türen zu beaufsichtigen, mussten sie zwölf Stunden täglich einsam in einem dunklen, engen, feuchten Gang sitzen."

Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten ...

Als Ziel seiner Studie bezeichnete Engels, der am 5. August 1895 in London verstarb, die Lage der Deklassierten zu verbessern. Er war davon überzeugt, dass nur durch eine Revolution eine grundlegende Veränderung eintreten könnte, oder wie es im "Kommunistischen Manifest" heißt: "Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten; sie haben eine Welt zu gewinnen."

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