Menschen im Kinosaal

Kino Asyl 2019 - MAX KRATZER

Filmfestival

Fünf Jahre Kino Asyl

2015, das Jahr der Flüchtlingswelle in Mitteleuropa, ist mittlerweile fünf Jahre her. Genauso alt wird heuer das Filmfestival Kino Asyl, das damals zum ersten Mal im November von der Stadt München veranstaltet wurde. Geflüchteten wurde die Gelegenheit gegeben, Filme aus ihrer Heimat auch einem Münchner Publikum zu zeigen.

Die Festivalmacher legen Wert darauf, dass die von den Asylwerbern selbst ausgewählten Filme den Alltag ihres Herkunftslands oder besonders beliebte Filme - wie in diesem Jahr der Kinderfilm über eine Ziege in Afghanistan - ausgewählt werden.

Die Berge Afghanistans, davor eine kleine, vorwitzige Ziege mit ihren zwei Geschwistern. Der Erzähler raunt auf Dari die uralte Einleitungsformel. Ein etwas holpriger Trickfilm, dem die Disneyprofessionalität erfrischend abgeht. Der 2011 animierte Märchenfilm erinnert an "Der Wolf und die sieben Geißlein". Eine Ziegenmutter, die um ihre Jungen kämpft, eine Geschichte, die seit Jahrhunderten in Afghanistans Dörfern erzählt wird.

Auch Mahdi Amiri ist damit aufgewachsen, sein Beitrag für das zweiwöchige Festival "Kino Asyl", sagt der Afghane, der heute in München bei einem Augenoptiker arbeitet: "Das hat zum Beispiel im Winter, als wir im Wohnzimmer mit unserer Familie gesessen haben, unsere Großmutter oder die Mama oder der Opa erzählt."

Das Leben der Kinder in Afghanistan

Amiri wählte gleich zwei etwas ältere Filme aus, die nicht seine Flucht thematisieren, sondern das Leben der Kinder in Afghanistan zeigen. In dem 2013 entstandenen Streifen "Sahadat wird Fernsehen" dreht der Vater dem Buben den Strom ab - Fernsehverbot auf afghanisch. Doch er und sein Freund erfinden vorwitzig neue Spiele, um sich die Zeit zu vertreiben. Einblicke in den Alltag am Hindukusch, mal ohne Taliban, Warlords und Resolutionen.

Kampf gegen Armut, Korruption und fehlende Bildung

Kino Asyl versucht von Anfang an den Spagat zwischen Unterhaltung und politischer Kunst.
Eine der weiblichen Kuratorinnen, Liliane Lakrabe, lernt heute Pflegerin in München. Sie stammt aus Uganda. Ihr Wahlfilm "Die Boda-Boda-Diebe" zeigt den Kampf des Jungen Abel gegen Armut, Korruption und fehlende Bildung. "Ich finde, das ist ein weltweites Thema, es geht vielen jungen Leuten so - weltweit, sagt die 25jährige.

Drei von 17 Beiträgen, die heuer im Festival Kino Asyl bis 13. Dezember gezeigt werden. Eine Geschichte aus dem Jemen, eine aus dem Senegal, aus Ägypten, mehre aus Syrien, aber auch europäische Produktionen wie Caroline Fourest "Operation Red snake/ Soeurs d'armes" über eine Gruppe von Frauen, die sich gegen den IS stellen.

Erstmals online weltweit abrufbar

Zwei Wochen, doppelt so lange wie bisher, stehen die Filme den Zuschauern kostenlos auf der Festival-Webseite zur Verfügung, freut sich Linus Einsiedler vom 30köpfigen Festivalteam. Statt in den Münchner Kammerspielen wird ausschließlich online gestreamt und das weltweit - auch in den Herkunftländern:

"Also ich finde es besonders schön, dass wir so viele Filme haben wie noch nie. Das ist auch eine Chance des Online-Festivals. Zuvor waren wir immer festgelegt auf die Abende des Festivals. Dieses Mal haben wir deutlich mehr. Auch die Herausforderungen, die Filmrechte zu bekommen, das ist immer super spannend, aus diesen Ländern Kontakte zu bekommen und dann dafür die Rechte zu erlangen.

Migrationssituation hat sich verändert

Kernpunkt des Festivals Kino Asyl seit 2015: Man will sich nicht auf Länder, nationale Kinotraditionen oder Genre festlegen. Jeder Asylwerber darf seinen Lieblingsfilm vorschlagen. Seit das Festival 2015 startete, merke man an der Auswahl, dass sich die Migrationssituation verändert hat, findet Linus Einsiedler: "Was schon tatsächlich spannend ist, ist dass es sich so verändert hat, dass immer häufiger Filme kommen, die auch heiterer, in Anführungszeichen "lustiger" sind, humorvoll, vielleicht auch schwarzer Humor, im Vergleich zu den letzten Jahren. Jetzt sind andere Themen relevant, auch Themen, die man aus der Kindheit kennt, aus der Jugend kennt, und nicht Themen sind, die schwer, emotional sind und Fluchtgeschichten erzählen.“

Erstmals online weltweit, das sei eine der wenigen positiven Auswirkungen der Corona-Pandemie, so Einsiedler. Dieses Jahr könnten Freunde, Bekannte und Familienmitglieder der Geflüchtete in den Herkunftsländern zuschauen.

Miran Ahmad hat den Link zum Festival auf seiner Facebookseite gepostet. Er wurde gefragt, was das denn sei und was er dort mache. Sogar syrische Medien hätten sich gemeldet. Die Teilnahme an dem Festival sei auch eine Chance für seine Freunde, ihn und seine zwei ausgewählten Filme zu sehen, sagt Miran, früher selbst Moderator im syrischen Fernsehen und seit zwei Jahren in Deutschland.

Dieses Mal moderiert er für Kino Asyl.

Gestaltung: Susanne Lettenbauer

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