Konstantin Wecker

DOMINIK BECKMANN

Lieder und Gedichte

Konstantin Wecker: "Jeder Augenblick ist ewig"

Mit einem gleichermaßen poetischen wie politischem Programm ist Konstantin Wecker im September im Wiener Theater im Park aufgetreten. Geboten wurden Lieder und Gedichte aus seinem Leben; Dörte Lyssewki und Michael Dangl trugen die Gedichte vor, dazu improvisierte Wecker am Klavier. Nun liegt der Abend als CD vor.

Der nächste Sommer ist noch weit und der letzte liegt schon lange zurück. Eine der seltenen Live-Sternstunden des zu Ende gehenden Jahres sei der Abend im Theater im Park für ihn gewesen, sagt Konstantin Wecker. Vor über 1.000 Menschen zu spielen, habe für ihn, wie ein Stimmungsaufheller in einer depressiven Zeit gewirkt, so Wecker.

"Ich hab erst jetzt wirklich gemerkt, wie unglaublich wichtig mir das ist: das Konzertieren, das auf der Bühne stehen, die Leute zu umarmen, ob geistig oder auch körperlich, zu singen und zu musizieren mit anderen Musikerinnen und Musikern. Ich habe normalerweise über 100 Konzerte im Jahr und es ging mir wie auch meinen Kolleginnen und Kollegen psychisch schon sehr schlecht, weil wir nicht mehr auf die Bühne konnten."

Die Kunst hat immer wieder die Chance geboten, nicht ganz in die Barbarei abzurutschen

Das Programm "Jeder Augenblick ist ewig", das jetzt auf zwei CDs festgehalten wurde, spannt einen Bogen über 50 Jahre künstlerischen Schaffen Konstantin Weckers. Die Gedichte, vorgetragen von Dörte Lyssewski und Michael Dangl, die Lieder und Zwischentexte erzählen von Weckers Höhenflügen und Abstürzen als Liedermacher und Autor, vom immer wieder Aufstehen und Weiterkämpfen für eine bessere Welt.

"Die Kunst hat immer wieder die Chance geboten, nicht ganz in die Barbarei abzurutschen und das wird sie auch weiterhin. Ich habe immer wieder auch gemerkt in den letzten Jahren, dass diese Konzerte den Menschen Mut machen, sich weiterhin zu engagieren, weil sie sehen, dass sie nicht allein sind, mit ihrem Engagement, mit ihrem Denken, Fühlen und Handeln."

Auswüchse des Kapitalismus

Kunst und Kultur sind systemrelevant betont Konstantin Wecker und zitiert Georg Kreisler: "Wer Kunst versäumt, verschenkt nicht nur einen wichtigen Teil seines Lebens, sondern leistet auch Vorschub für eine Veränderung der Gesellschaft, die meistens mit Blutvergießen einhergeht. Der Mensch braucht Kunst, nicht zur Unterhaltung - da kann er auch zum Pferderennen gehen -, sondern weil sie ein Teil seiner selbst ist. Und wenn er sie nicht kriegt, versucht er sie irgendwie zu ersetzen - oft durch Gewalt."

Ein Blick auf den deutschen Börsenindex zeige, dass etwa die Waffenhändler heuer einen besonders hohen Umsatz gemacht hätten, so Wecker. "Das ist alles so atemberaubend ekelig - während so viele um ihre Existenz bangen, Künstlerinnen und Künstler, Gastronomen, Menschen aus allen Bereichen, die ihre Arbeit verloren haben … hier zeigt sich der Kapitalismus in seiner schrecklichsten Form und da gilt es nun wirklich Einhalt zu gebieten.

Hilfe für existenzbedrohte Künstler

Man müsse aufpassen, so Wecker, dass sich einige Politiker nicht zu sehr daran gewöhnen, dass die Subkultur am Verschwinden ist und damit auch die Kritik an ihnen. Es gälte viel nachzuholen in der nächsten Zeit.

Das versucht auch Wecker gerade, in dem er sich in vielen Statements zu Wort meldet, 60.000 Euro Spenden für existenzbedrohte Kulturarbeiter gesammelt hat und an Diskussionen und Demonstrationen teilnimmt - allerdings nicht an jenen der Corona-Leugner: "Ich hab kein Verständnis für die Corona-Leugner, weil sie sich mit Nazis einlassen, mit Faschisten und ich werde auf keiner Demo zu sehen sein, wo neben mir ein AfDler oder ein Reichsbürger oder ein Neonazi stehen könnte."

Schreibt an "Mein Leben ohne Bühne"

Seit dem ersten Lockdown schreibt Wecker an einem Buch mit dem Titel "Mein Leben ohne Bühne". Das soll im kommenden Frühjahr erscheinen. Wenn das Leben auf der Bühne hoffentlich wieder stattfindet, und der Sommer wirklich nicht mehr weit ist. Bis dahin kann das Sommerkonzert in kalten Wintertagen zumindest aus der Konservendose aufgewärmt und genossen werden.

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