Wojciech Czaja

Wojciech Czaja - FLORIAN ALBERT

Buch von Wojciech Czaja

"Almost" Detroit in Wien

"Wenn ich schon nicht Rausgehen darf, so fahre ich mit der Vespa durch die Gegend", dachte sich Wojciech Czaja. Und entdeckte so Häuser, die ihn an ferne Länder erinnerten.

Hier ist es fast wie in Tel Aviv, dachte sich der Autor, Architekturpublizist und leidenschaftliche Reisende im letzten Sommer, als er an einem Haus in Wien Meidling vorbeikam. Also blieb er stehen, parkte die Vespa und zückte sein Smartphone. "Es hatte typische Bauelemente, dass ich sofort an die Weiße Stadt in Tel Aviv gedacht hab - natürlich mit einem Augenzwinkern und einem etwas ungenauen Blick. Das habe ich dann fotografiert und mir gedacht:

… wenn ich schon nicht um die Welt jetten kann, dann suche ich mir mein Tel Aviv in Wien." Wojciech Czaja

Wojciech Czajas Fotoserie "Almost" wurde in der Tageszeitung "Der Standard" abgedruckt und liegt nun auch als Buch in der Edition Korrespondenzen vor. Mit "Almost" bringt Czaja sein Fernweh während der Corona-Quarantäne auf spezielle Weise zum Ausdruck. Überall in der Stadt findet der weitgereiste Architekturkenner Referenzen auf die große weite Welt. In Hietzing zum Beispiel ein Stück Phnom Penh.

Phnom Penh in Hietzing

"Phnom Penh ist eine wunderschöne Stadt mit kaiserlichen Tempelanlagen, natürlich mit typischen Elementen asiatischer Architektur. Was es dort unter anderem gibt, sind goldene Türen - aus Messing oder blattvergoldet. Und so eine Türe hab ich in der Maxingstraße in Hietzing entdeckt."

Auch dieses Haus, erbaut 1907 nach den Plänen von Ernst von Gotthilf für den Übersetzer Siegfried Trebitsch, hat natürlich Eingang in die Almost-Sammlung gefunden. Ebenso eine Baustelle in der Postgasse, die Wojciech Czaja irgendwie an Havanna erinnert. Ein Stück Quito findet er bei einem kleinen gelben Haus in Aspern. Kiew liegt an der Landstraßer Hauptstraße. Almost Detroit zeigt sich vor der Ankerbrot-Filiale in Favoriten.

Buchumschlag

EDITION KORRESPONDENZEN

Baukulturellen Reichtum Wiens

"Mir geht es um Lichtstimmungen, um bewusst eingefangene, vielleicht auch durch den Bildausschnitt von mir selektiv bearbeitete Bilder, die assoziativ etwas hervorrufen."

100 Gebäude die unterschiedlicher nicht sein könnten versammelt Wojciech Czajas Fotoband "Almost" und zeigt damit den baukulturellen Reichtum Wiens abseits der bekannten historischen Architektur. Das Buch lädt ein, die Orte selbst aufzusuchen, die Stadt mit neuen Augen zu sehen und - nicht zuletzt - das Reisen vor die Haustür zu verlagern.

Königsstadt in der Bahnhofshalle

"Es gibt am Praterstern mitten in der Bahnhofshalle ein ganz furchtbares Running-Sushi-Lokal. Aus irgendeinem Grund stehen zwei steinerne Elefanten davor. Das Licht ist gerade so hereingefallen, dass die Figuren gut beleuchtet waren, der Rest der Halle war dunkel. Und das sah aus wie die Tempelanlage in Kandy, die ehemaligen Hauptstand von Sri Lanka."

Vor zwei Jahren veröffentlichte Wojciech Czaja den Reiseführer "Hektopolis" mit Essays über einhundert Städte in aller Welt. Wien war darin nicht vertreten. Das hat er nun mit der Fotoserie "Almost" nachgeholt. Nur die ganz neue Architektur meidet Czaja. Zu einheitlich, zu standardisiert, zu austauschbar sind ihm die meisten Gegenwartsbauten.

Service

Wojciech Czaja, "Almost - 100 Städte in Wien", Edition Korrespondenzen
Wojciech Czaja

Gestaltung

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