Eine Frau mit Kopfhörern.

RIMINI PROTOKOLL/STEFAN KAEGI

Rimini Protokoll

Volkstheater eröffnet mit "Black Box"

Auftakt für das Wiener Volkstheater: Mit einem Theatererlebnis für nur einen Zuschauer startet der neue Direktor Kay Voges mitten im kulturellen Lockdown in seine erste Spielzeit.

Frisch renoviert und in neuem Glanz erstrahlt das Wiener Volkstheater. Morgen wird hier mit der Produktion "Black Box" die Ära des neuen Direktors Kay Voges eröffnet. Weil Aufführungen vor hunderten Menschen derzeit nicht stattfinden können, spielt man nur für jeweils eine Person. Mit einem Kopfhörer ausgerüstet wird man Einzeln durch das gesamte Theaterhaus geleitet und erhält neue und ungewohnte Einblicke in den Sehnsuchtsort Theater. Entwickelt wurde das Projekt von Stefan Kaegi, vom Theaterkollektiv Rimini Protokoll.

Kay Voges

VOLKSTHEATER/LUKAS BECK

"Wir spielen Theater, auch wenn die Theater noch zu sind." Kay Voges

Direktor Kay Voges öffnet das Haus. Mit "Black Box", dem Phantomtheater für eine Person - hat Stefan Kaegi von Rimini Protokoll im Schnellverfahren ein coronakompatibles Format entwickelt, das allen Hygieneregeln gerecht wird. "Das ist jetzt das schnellsterfundene Stück, weil aus der Situation heraus entstanden ist", so Voges.

"Jetzt in die Kassa folgen, bitte." - Alle fünf Minuten startet eine Person, ausgerüstet mit Kopfhörern und Gummihandschuhen, ihre eineinhalbstündige Reise durch das frischrenovierte Haus. Mit der sanften Stimme der Reisebegleiterin im Ohr, startet man im kleinen Kassahäuschen in der Eingangshalle.

Berichte aus dem Off

Kay Voges: "Wir haben in dieser Arbeit die Chance unter die Bühne zu kriechen und auf die Bühne zu schauen, aus der Perspektive eines Souffleurs, wir können auf der Bühne stehen, wie eine Darstellerin, in den Beleuchtungszügen entlang marschieren, wie ein Beleuchter. Diese Perspektiven auf das Phänomen Theater, das ist das Besondere an diesem Abend."

Anders als bei einer normalen Hausführung, wie sie etwa die Staatsoper anbietet, soll hier das Theater nicht nur als Gebäude erlebbar werden, sondern als Zusammenkunft von verschiedenen Menschen, die mit ihren Fähigkeiten und Leidenschaften zusammenarbeiten. Sie berichten aus dem off über die unterschiedlichen Aspekte ihrer Arbeit.

Akteur und Publikum zugleich

"Ganz leise - Technik bitte auf Position - Requisite bitte oder Souffleur" - Vom Souffleurkasten bis zum Inspizienten, von der Kostümschneiderei bis zur Maske, vom Heizraum bis zur Unterbühne wird das Theater auf sinnliche Art erlebbar. Man öffnet Türen und Fenster, bedient sich an Getränken im Pausenraum, betätigt die Nebelmaschine, steht im Rampenlicht oder sitzt alleine im Zuschauerraum. Und spürt dem Sehnsuchtsort Theater nach, so Kay Voges.

"Der verspricht eines Tages werden wir hier wieder gemeinsames kollektives Erleben haben." Weil es Immer wieder zu indirekten Begegnungen mit den anderen Besucherinnen und Besuchern des Hauses kommt, ist man gleichzeitig Akteur und Publikum.

Man fühlt sich ein bisschen auserwählt, ein Theater betreten zu dürfen ...

Am Ende eines Wochenendes werden es rund 250 Menschen sein, die eine gemeinsame Geschichte teilen. Und ein exklusives Erlebnis. "Ich hätte mir gewünscht, wir hätten mit Glanz und Gloria mit 800 Menschen und viel Gefeier eröffnen können. So ist es jetzt eine exquisite singuläre Reise, die jeder für sich alleine machen muss, aber vielleicht ist das etwas Besonderes. Und man fühlt sich ein bisschen auserwählt, ein Theater betreten zu dürfen, nach fast einem Jahr, wo so wenig stattgefunden hat."

Weil die Nachfrage nach Karten für "Black Box" schon jetzt alle Erwartungen übertroffen hat, hat das Volkstheater Zusatztermine bis März angesetzt.

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