Sir Peter Ustinov

AP/FRED CHARTRAND

Ein vielseitiger Optimist

Sir Peter Ustinov wäre 100

Die "Hörbilder" mit einer Hommage an den Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur Sir Peter Ustinov.

Jänner 1976: Ein grauhaariger, glatt rasierter Mann in karierter Tweedjacke schlendert über die Wiener Kärntner Straße. In der Hand hält er ein Mikrofon und ein Foto von sich, auf dem er allerdings mit Vollbart zu sehen ist.

"Wir suchen diesen Mann", spricht er einige Passant/innen an. "Scheint eine bekannte Persönlichkeit zu sein", vermutet einer. "Ein Minister?" "Das ist der Peter Ustinov, der vor mir steht", antwortet eine Dame verschmitzt. "Sie haben damals den Nero gespielt, nicht?", fragt ihn eine andere. "Ja, aber ich glaube, Wien werde ich nicht verbrennen", meint Ustinov mit ernstem Gesichtsausdruck.

Peter Ustinov und Shirley Jones bei der Oscar-Verleihung 1961.

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Peter Ustinov und Shirley Jones bei der Oscar-Verleihung 1961.

Durchbruch als Nero

Mit der Rolle des verrückten römischen Kaisers im Film "Quo vadis" schaffte Sir Peter 1951 den internationalen Durchbruch als Schauspieler. Zwei Oscars erhielt er für seine Rollen in "Spartacus" und "Topkapi", mehrmals verkörperte er Agatha Christies berühmten Detektiv Hercule Poirot (u. a. in "Tod auf dem Nil", 1978). Doch der 2004 verstorbene Peter Ustinov, der am 16. April 100 Jahre alt geworden wäre, war viel mehr als nur Schauspieler. Ihn "zu durchleuchten", meinte einmal Louise Martini, als sie 1978 eine Ausgabe des legendären "Club 2" moderierte, sei "ein bisschen schwierig wegen der Fülle an Material".

"Achtung! Vorurteile"

Peter Ustinov schrieb Romane und Theaterstücke, inszenierte Opern (u. a. "Die Hochzeit des Figaro" 1986 in Salzburg), zeichnete Karikaturen, war ein begnadeter Geschichtenerzähler, und er setzte sich außerdem als Botschafter der UNICEF jahrzehntelang für die Rechte von Kindern ein.

Ein großes Anliegen war ihm auch die Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen - die seiner Meinung nach vorwiegende Ursache zwischenmenschlicher Konflikte. Unter anderem gründete er deshalb 2003 das Sir Peter Ustinov Institut in Wien, im selben Jahr erschien sein Buch "Achtung! Vorurteile", das er als sein Vermächtnis bezeichnete.

Vater war Dena-Korrespondent

Dass er neben vielen anderen auch diese Sprache beherrschte, hätte einen ganz bestimmten Grund, erzählte er einmal in einem Interview: Ustinovs Vater war Anfang der 1920er Jahre Londoner Korrespondent für die Deutsche Nachrichtenagentur (Dena). "Und er hat jeden Abend - und sogar während der Nacht - nach Berlin telefoniert. Und die Telefone, die hießen damals noch Fernsprecher, die waren wirklich nicht so gut wie heute, da musste er sehr langsam sprechen und sehr brüllen." Weil die Wände in der Wohnung dünn waren, hörte der kleine Peter jedes deutsche Wort seines Vaters und lernte so diese Sprache, "aber nur die komplizierten Wörter, Ja und Nein kamen viel später".

Von seinen Eltern und seinen Vorfahren hat Peter Ustinov ebenfalls gern erzählt bzw. geschrieben: Gezeugt wurde er in Sankt Petersburg, geboren in London. Seine Ahnenlinie hatte russische, französische, italienische und sogar äthiopische Wurzeln. Vielleicht ist Sir Peter auch deshalb so gern und viel durch die ganze Welt gereist.

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