Ein Blackout in Bangladesh.

AFP/MUNIR UZ ZAMAN

Dimensionen

Blackout

Es ist der 2. Februar um 14.10 Uhr. Auf einen Schlag gehen in Berlin-Köpenick sämtliche Lichter aus. 31.500 Haushalte und 2.000 Betriebe sind betroffen. 31 Stunden und 15 Minuten fließt kein Strom.

Nur Notaggregate laufen - und das auch mehr schlecht als recht. 21 Notfallpatient/innen müssen deswegen von der dortigen Intensivstation in ein anderes Spital verlegt werden. Händisch - denn die Lifte funktionieren auch nicht. In einigen Wohnungen und Büros fließt auch kein Wasser mehr, und die Heizung ist ausgefallen - mitten im Winter.

Nein, hierbei handelt es sich um kein Szenario aus einem Marc-Elsberg-Roman. Dieser Blackout ist tatsächlich passiert. Es war der größte und längste in der Nachkriegsgeschichte Berlins. In diesem Fall haben Bauarbeiter versehentlich ein Stromkabel durchtrennt.

Wir hängen alle zusammen

Es gibt aber noch viele weitere Ursachen, die zu einem Blackout - also einem großflächigen Stromausfall – führen können. Defekte Leitungen, Störungen im Netz, Naturkatastrophen, aber auch Hackerangriffe. Unabhängig von der Ursache sind die Konsequenzen verheerend. Lebensmittel- und Medikamentenversorgung, Geldüberweisungen, Telefonnetze - die gesamte elektronische Logistik bräche nach und nach zusammen.

Erst vor kurzem ist die EU haarscharf an einem Blackout vorbeigeschrammt. Ein Störfall in einem kroatischen Umspannwerk hat Hochspannungsleitungen in ganz Südosteuropa lahmgelegt. Auch Österreich war davon betroffen. Denn über das europäische Verbundsystem hängen wir alle zusammen und bei einem Zwischenfall mit drinnen. Die Netzfrequenz ist ein sensibles Terrain.

Keine Frage ob, sondern wann

Zu viel an Hertz kann genauso viel Schaden anrichten wie zu wenig. Der Ausfall in dem kroatischen Werk löste eine Kettenreaktion aus. Während der Westen Europas mit einem Energiedefizit zu kämpfen hatte, sah sich der Süden mit einem Überschuss konfrontiert. Für Fälle wie diesen gibt es Krisenpläne, die auch regelmäßig in Übungen trainiert werden. Schließlich konnte der Ausfall nach circa einer Stunde wieder ausgeglichen und ein tatsächlicher Blackout vermieden werden.

Doch Fachleute prognostizieren: Ein großflächiger Stromausfall in Europa sei keine Frage des Ob, sondern des Wann. Und darauf sei die ganze Welt nicht gut genug vorbereitet. Der Umstieg auf erneuerbare Energien bringt hierbei neue Herausforderungen mit sich. Wind, Wasser und Sonne sind abhängig von Witterung und geografischen Gegebenheiten. In Österreich käme es im Sommer zu einer Überproduktion und im Winter zu einem Energiemanko. Expert/innen warnen: Der kroatische Störfall wäre allein mit erneuerbaren Technologien nicht abzufangen gewesen.

Bedarf steigt mit Wohlstand

Strom lässt sich nur mit vergleichsweise großem Verlust speichern. Daher sind Verbundnetze und eine überregionale Verteilung sinnvoll. Um auch mit erneuerbaren Energien künftig krisenfest aufgestellt zu sein, müssen neue Reservekapazitäten und Speicher entwickelt werden.

Denn eines ist klar: Die Weltbevölkerung benötigt immer mehr Strom. Zwischen 1980 und 2017 hat sich der Verbrauch mehr als verdreifacht - Tendenz steigend. Laut Prognose des Mineralölkonzerns BP wird der Weltenergiebedarf bis 2035 um weitere 37 Prozent steigen. Vor allem der Wohlstandsaufschwung in bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien führt zu einer großen Nachfrage. Gleichzeitig sind die Stromnetze vielerorts veraltet und fehleranfällig.

Ein immer größeres Risiko sehen Sicherheitsfachleute in Hackerangriffen. Stromnetze seien ein attraktives Ziel. Ein Blackout kann einen immensen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen und zu großem Chaos und folgenschwerer Panik in der Bevölkerung führen.

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