Ausstellungsansicht

KUNST HAUS WIEN/RUDOLF STROBL

Fotografie

Kunst Haus Wien feiert Elfie Semotan

"Elfie Semotan. Haltung und Pose": Mit dieser Ausstellung würdigt das Kunst Haus Wien die international bekannte österreichische Fotografin anlässlich ihres 80. Geburtstags mit einer großen Retrospektive.

Semotan fotografierte für "Vogue", "Elle" oder "The New Yorker". In Österreich kennt man Elfie Semotan vor allem für ihre Plakatkampagnen der 1980er Jahre, wie "Trau dich doch", die sie für Palmers fotografierte oder jene für Römerquelle, in der sie jeweils prickelnde Dreiecksverhältnisse ablichtete.

Die Personale versammelt neue und alte Arbeiten, Serien und Einzelaufnahmen, Schwarz-Weiß- und Farbfotografie, Landschaft und Porträt ohne zeitliches Korsett. Die rund 150 gezeigten Bilder formen stattdessen einen Werkkorpus aus Similaritäten und Differenzen mit einem Roten Faden: Elfie Semotan.

Es war uns wichtig, die große Bandbreite des Werks zu zeigen.

So umriss Co-Kuratorin Bettina Leidl bei der Präsentation am Dienstag das Konzept, eine breite Vielfalt aus dem Oeuvre der Vielarbeiterin zu präsentieren. Dabei werden nun auch die kommerziellen Arbeiten etwa für Modefirmen nicht ausgespart.

Maria Lassnig

ELFIE SEMOTAN/STUDIO SEMOTAN

Elfie Semotan, Maria Lassnig, Wien, 2000/2013

Arbeiten aus sechs Jahrzehnten

Über 60 Jahre spannt die Ausstellung den Bogen. Die Arbeiten sind abseits strenger thematischer Blöcke oder Phasen gehängt, sondern ermöglichen epochenübergreifende Wechselspiele zwischen einzelnen Aufnahmen. So hängen immer wieder Aufnahmen verschiedenster Künstlerateliers oder Porträts nebst Landschaftsimpressionen.

Zu sehen sind auch Serien, die direkt von der Bildenden Kunst inspiriert sind wie "Präraffaeliten" aus 2005 oder "Inspired by Lucian Freud" 1997. Die Porträts von Größen wie Louise Bourgeois, Franz West und Ornella Muti mischen sich unter Abzüge, für die sich Semotan direkt an großen Vorbildern wie Diane Arbus oder William Eggleston orientiert.

Wie das ungewöhnliche Porträt von Maria Lassnig für das Magazin der "Süddeutschen" entstanden ist, erzählt Elfie Semotan so:

Elfie Semotan über Maria Lassnig

"Ich wollte sie so fotografieren, wie sie sich selbst malt."

Die Schau im Kunst Haus Wien lässt neue Blickbezüge erwachsen, Formwiederholungen fügen sich zu Systemen über die Jahrzehnte hinweg - und so entsteht der Eindruck, dass das einigende Band der Arbeiten der unprätenziöse Zugang und die unaufgeregte Selbstbestimmung der Frau hinter der Kamera ist.

Pragmatischer Zugang zur Werbearbeit

So habe sie immer wieder von den Firmen ursprünglich ins Treffen geworfene Ideen für Shootings über den Haufen geworfen, erinnerte sich Semotan beim Gang durch die Ausstellung.

Auf diese Weise entstanden unkonventionelle Modearbeiten, wenn Semotan etwa eine Tänzerin im Kleid auf den Boden legt oder sie Vivien Solari ("Life moves fast") fotografiert, indem sie dem Modell Objekte in Bewegung zur Seite stellt. Als Modefotografin hat Elfie Semotan seit den 1980er Jahren in internationalen Modemagazinen wie "Elle", "Marie Claire" und "ID Magazine" neue Trends kreiert.

Brüche, eine größere Entfernung von der Mode, dem Millieu, den üblichen Orten - das ist es, was JETZT gemacht wird. Aber ich habe das schon zu einer ganz anderen Zeit gemacht.

"Damals hatte ich viel Zeit, auch alles daneben zu fotografieren", erinnerte sich Semotan ohne große Wehmut an Aufträge, bei denen man als Fotografin noch fünf Tage für letztlich zehn Aufnahmen bekam. Zugleich habe sich das Metier auch verändert, wenn sie etwa auf die Serie "Puszta" aus 1990 blicke, bei der sie während der Modeablichtung auch die Landschaft und Menschen der ungarischen Steppe in den Fokus nehmen konnte.

Ausrangierter Wohnwagen in einer Wiese

Elfie Semotan, o.T., BGLD, 2015/2021 (Ausschnitt)

ELFIE SEMOTAN/STUDIO SEMOTAN

Diese Schau zeigt mit Stillleben und Landschaftsbildern, wie weit sich die Fotografin in sechs Jahrzenten von der klassischen Modefotografie wegbewegt hat. In einer ihrer Schwarz-Weiß-Arbeiten sieht man etwa ein von einem Kind vergessenes winziges Segelboot an einer Hauswand lehnen. Mit solchen Fotografien hält die Künstlerin ihre Empfindungen fest und würdigt meist übersehene Nebensächlichkeiten. Semotan führt das auf ihre Liebe für Dinge zurück, denen eine spezielle Ästhetik innewohnt, die nichts mit Eleganz zu tun habe.

Man muss nur hinschauen und es einrahmen mit seinem Blick und der Kamera.

Semotan ist früh auf die entstehende Digitaltechnik umgestiegen, die sich rasend schnell verbessert und einen unschlagbaren Vorteil gegenüber der analogen Arbeit habe, so Semotan. Schließlich zeigt sich bei der Analogfotografie das eigentliche Bild immer erst im Nachhinein: "Es gab immer Überraschungen - mal gute, mal schlechte." Auch ein schönes Motto für eine epochenüberspannende Fotokarriere.

Anlässlich des vielfältigen Oeuvres ist es überraschend, dass das die erste große Elfie-Semotan-Retrospektive in Österreich ist.

Text: APA/ORF/Oppolzer/Red.

Service

"Elfie Semotan: Haltung und Poesie" im Kunst Haus Wien, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien von 5. Mai bis 29. August täglich von 10 bis 18 Uhr

Kunst Haus Wien

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