Herlinde Koelbl

APA/DPA/ROLF VENNENBERND

Herlinde Koelbl

Bildband über Angela Merkel

1991 holte Helmuth Kohl die damals noch völlig unbekannte Angela Merkel in sein Kabinett. Es folgte eine aufsehenerregende Politkarriere, denn durchgehend seit 2005 ist Merkel deutsche Bundeskanzlerin, derzeit noch geschäftsführend, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die Fotografin Herlinde Koelbl hat Merkel die ganze Zeit über begleitet, sie meist im Jahresrhythmus porträtiert und auch ausführliche Interviews mit Merkel geführt. Jetzt kommt dieses Langzeitprojekt als Bildband heraus.

1991 begann Herlinde Koelbl ihr Langzeitprojekt "Spuren der Macht". Über Jahre hinweg wollte sie beobachten, wie sich Politneulinge durch ihre Machtposition veränderten. Eine war die damals 36-jährige Angela Merkel, die Helmuth Kohl damals als Bundesministerin für Frauen und Jugend in die Regierung holte, eine Pastorentochter aus der ehemaligen DDR, die lange Jahre als Physikerin an der Akademie der Wissenschaften in Ostberlin gearbeitet hatte.

Herlinde Koelbl: "Sie ist hochintelligent, denkt extrem analytisch. Da merkt man wirklich, dass sie Wissenschaftlerin war: Überlegen, wie ist die Sache? Und sich nicht von Emotionen hinreißen lassen."

Was mussten Sie in diesem Jahr lernen?

Herlinde Koelbl hat daraufhin Angela Merkel einmal im Jahr zum Fotoshooting getroffen. Anfangs war auch noch Zeit für ein Interview - und da unterschied sich Koelbl in ihrer Haltung und Frageweise maßgeblich von den Innenpolitik-Journalisten, mit denen es Merkel sonst zu tun hatte. Was zu einer ganz eigenen Offenheit in den Gesprächen führte.

"Wie war das Jahr? Und was mussten Sie lernen?", erzählt die Fotografin. "Das war so ein Satz, den ich immer gefragt habe. Ich denke, das ist eine gute Weise, um zurückzublicken und offen sprechen zu können."

Feilen an der Körpersprache

Die Gespräche finden sich im Buch und geben Einblick wie eine Politikerin, die permanent im Fokus der Öffentlichkeit steht, nicht nur genau aufpassen muss, was sie sagt, sondern auch an ihrer Körpersprache zu feilen hat.

Für die Fotoshootings hat Herlinde Koelbl auf einem neutralen Hintergrund bestanden und Angela Merkel ausschließlich vor einer einfachen weißen Wand abgelichtet. Angefertigt hat sie zusätzlich zum Porträt eine Ganzkörperaufnahme, um den Wandel in Merkels Körpersprache zu dokumentieren: "Bei Angela Merkel sieht man wie sich die Körpersprache enorm ändert - gerade in den ersten Jahren. Weil sie noch nicht durch die ganze Hierarchie der Politik aufgestiegen ist. Am Anfang wusste sie nicht, wo sie die Hände und Arme hintuen soll."

Ein Projekt, das Dauer hat

Es ist spannend, eine der bedeutendsten Politkarrieren der letzten Jahrzehnte anhand der Entwicklung der Gestik zu verfolgen. Von den hängenden Armen der Anfangsjahre zu der schon früh angelernten Handhaltung, die Angela Merkels Markenzeichen werden sollte. "Bereits 1998 hat Angela Merkel die später berühmte Merkel-Raute gemacht. Ich habe festgestellt, dass das einem Haltung gibt, wenn man die Daumen so aneinanderlegt", sagt Koelbl.

Herlinde Koelbl hat als Fotografin in deutsche Wohnzimmer geblickt und die bedeutendsten Wissenschaftler der Welt vor ihre Kamera gebeten. An ihrem Angela-Merkel–Buch hat sie dreißig Jahre lang gearbeitet und es ist beeindruckend, was Koelbls untrüglicher Blick gepaart mit so viel Geduld alles sichtbar macht. Ein Projekt, das Dauer hat, weil es gedauert hat.

Sevice

Herlinde Koelbl

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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