Peter Handke

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Erzählung

Handke im "Zwiegespräch"

Am 6. Dezember feiert Peter Handke seinen 80. Geburtstag, bereits jetzt erscheint ein schmaler Band mit einem neuen Text. Der Titel "Zwiegespräch" ist dabei Programm, denn die Erzählung bringt zwei selbst ernannte alte Narren zusammen, bekanntermaßen Lieblingsfiguren Handkes.

Will man sich die Stimmen der beiden Zwiegesprächler vorstellen, gibt die Widmung am Beginn des Buches einen guten Hinweis:

… für Otto Sander und Bruno Ganz.

Sie geht also an die beiden Schauspieler, die vor mittlerweile 35 Jahren im Wim-Wenders-Drama "Der Himmel über Berlin" als Engel über der 1987 noch geteilten Stadt schwebten. Peter Handke hatte damals am Drehbuch mitgearbeitet.

Feind des Menschengeschlechts

Genau wie die Engel damals sind die beiden selbst ernannten Narren im "Zwiegespräch" nicht wirklich Teil der Gegenwart. Anders als die Engel wollen es die beiden aber auch gar nicht sein, nehmen sich aus der Zeit heraus, fremdeln mit der Welt, und schließlich auch mit sich selbst.

Für eine lange, gar lange Strecke - buchstäblich eine Blutdurststrecke -, wurde ich dann, wieder buchstäblich, zum Feind des Menschengeschlechts und gleichermaßen mein eigener Feind.

Weißes Buchcover mit rotem Streifen, schwarzer Schriftzug

Peter Handkes Text "Zwiegespräch" ist im Suhrkamp Verlag erschienen.

Letzte Worte aus Luft

Ein großes Thema im Buch ist Handkes Großvater. Da wird ein Mensch beschrieben, der Tiere quält, weil er es nicht aus seiner Haut herausschafft, einer, der erst kurz vor seinem Tod stumm zu seinen Worten fand.

Als er in seiner Kammer dann im Sterben lag, soll er, wurde mir erzählt, in seinen letzten Tagen, zur Sterbezimmerwand gedreht, mit der Hand dort ohne Unterlass etwas wie Schreibbewegungen gemacht haben.

Western von gestern

Mit den Schreibbewegungen der Gegenwart wollen Handkes Narren sich dafür so gar nicht abfinden. Lieber erinnern sie sich an Liebesszenen zwischen John Wayne und Maureen O`Hara im Western-Klassiker "Rio Grande", als sich etwas vom Kino und Theater der Jetztzeit erzählen zu lassen.

Filme wie Theater: schneller aus dem Sinn als eine Schneeflocke auf einem frisch gebackenen heißen Brotwecken.

Der Unwiderstehliche

Humor wird in Handkes Werk ja nicht gerade großgeschrieben, doch wie auch schon in seiner Maigeschichte "Das Zweite Schwert", blitzt gerade an den Stellen der größten Ablehnung der Schalk aus Handke hervor.

Je unwirklicher, je unechter die Räume, desto marktschreierischer die Werbeflächen: DAS WIRKLICHE … DER WAHRE … DIE ECHTE! So wurde ich Schritt für Schritt hilfloser. Hilflos, hilfloser, sprachlos. Dabei stand doch in meinem Horoskop: "Sie sind heute unwiderstehlich."

Freihändig Fahren

Was Handkes Zwiegesprächler zum Ende hin versöhnt, sind kleine auf der Straße gemachte Beobachtungen. Das Strahlen einer Frau, die einem Ortsfremden den Weg beschreibt, ein junger Mensch, der aus einer Regenlacke trinkt, und die tätowierte Hornisse auf der Schulter eines Mädchens.

Und all die neuerdings freihändig Fahrenden, Junge wie Alte: das muss doch eine besondere Zeit sein!

Das sind die Perlen im "Zwiegespräch", diese scheinbar freihändig daherkommenden Metaphern, vorgetragen im schwebenden Handke-Sound, einem Rhythmus, der jeglicher Bodenhaftung die lange Nase zeigt.

Service

Peter Handke, "Zwiegespräch", Erzählung, Suhrkamp

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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