Corsage, Filmszene

ALAMODE FILM

Kino

"Corsage" von Marie Kreutzer

Wenn man heute den Namen der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, genannt Sisi, hört, denkt man an die "Sissi"-Verfilmungen von Ernst Marischka mit Romy Schneider. Filme, die ein kitschig romantisches Bild der Monarchin öffentlich verfestigt haben. Ganz im Gegensatz dazu jene Kaiserin, die die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer in "Corsage" zeigt: eine Kaiserin, die mit allzu menschlichen Problemen konfrontiert ist, im Korsett zwischen Fremd- und Selbstbestimmung.

Regisseurin Marie Kreutzer im Gespräch

Ein paar Meter Abstand am Tisch sind da schon, wenn Kaiser Franz Joseph (Florian Teichtmeister) und Kaiserin Elisabeth (Vicky Krieps) zu Abend essen. Weit entfernt haben sich die beiden voneinander, nicht nur beim Dinieren. Der Kaiser ist für die Politik zuständig, die Kaiserin für die Repräsentation. Doch diese Sisi will sich nicht in ihre Rolle fügen, will mehr sein als nur die strahlende Fassade der Monarchie, mehr als nur verwundete Soldaten besuchen.

"Bewusst historisch ungenau"

Der Film "Corsage" zeigt eine Kaiserin im Widerstand - gegen höfische Konventionen, gegen die ihr zugedachten Pflichten, gegen starre Frauen-Rollenbilder. Historische Genauigkeit stand dabei nicht an erster Stelle. Regisseurin Marie Kreutzer: "Alle Fehler im Sinne der historischen Korrektheit sind ganz bewusst gemacht. Die Handlung des Films ist fiktiv innerhalb eines bekannten Faktenrahmens."

Ambivalentes psychologisches Porträt

So ist die im Film 40-jährige Kaiserin etwa der Pflege der eigenen Schönheit und Figur keineswegs abgeneigt, Stichwort: Orangenscheiben-Diät.

Langsam verdichtet der 1877/78 angesiedelte Film die von widrigen äußeren Umständen, aber auch sich selbst, getriebene Figur der Kaiserin im goldenen Käfig als ambivalentes psychologisches Porträt, zwischen einerseits sportlicher Begeisterung für Reiten und Fechten, kämpferischem Mut und dem Hang zur Zigarette - für Frauen damals unschicklich - und andererseits Lebenszweifeln, gequältem Lächeln und bleierner Melancholie.

Marie Kreutzer

Marie Kreutzer

APA/AFP/CHRISTOPHE SIMON

"Nicht gegen Klischee rebellieren"

Der Film "Corsage" präsentiert sich auch als Gegenentwurf zur mythisierten Idylle, die die "Sissi"-Filme mit Romy Schneider in den 1950er Jahren gezeichnet haben, keineswegs vorsätzlich, wie Marie Kreutzer beteuert: "Das war überhaupt nicht die Idee dahinter, hätte ich gegen ein Klischee rebellieren wollen, wäre der Film am Ende auch viel plakativer geworden."

In der Schlichtheit von Ausstattung und Kostümen - Rüschen sind tabu - erteilt Marie Kreutzer Verklärungsfantasien eine deutliche Absage. Der Lack der Monarchie blättert hier gehörig ab, nicht nur an der Fassade eines Schlosses, sondern auch bei näherer Betrachtung eines Nationalheiligtums: Des Kaisers buschiger Backenbart ist eine Perücke.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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