Buchcover des Buches "Bretonisches Lied".

ORF/ISABELLE ORSINI ROSENBERG

August

Le Clézio, "Bretonisches Lied"

J.M.G. Le Clézios autobiografisches Werk ist das Ö1-Buch des Monats.

In seinem neuen, autobiografischen Buch "Bretonisches Lied" erinnert sich der französische Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio an seine Kinder- und Jugendzeit in den 1940er Jahren: an die Urlaube mit der Familie in der Bretagne und an seine frühe Kindheit im besetzten Süden Frankreichs. Er schildert die Zeit zwischen 1940 und 1945, die er als Kind erst in Nizza und später, als die Deutschen auch den Süden Frankreichs besetzt hatten, in einem Versteck im Hinterland erlebte. Hier vermischen sich die Eindrücke: Erlebtes, Geträumtes, Erzähltes.

Und dann erinnert sich Le Clézio an die Landschaften seiner Kindheit und Jugend unmittelbar nach dem Krieg. "Es ist das Land, das mir die meisten Emotionen und Erinnerungen gebracht hat", schreibt er über die Bretagne, die es so, wie er sie in den späten 1940er Jahren erlebt hat, nicht mehr gibt.

Die große Kunst Le Clézios besteht darin, über die Not während des Krieges und über die Kindheitserlebnisse in der Bretagne danach einfühlsam aber ohne Wehmut oder Verbitterung zu schreiben. Sein Erzählen hat etwas Meditatives, er verwandelt sich zurück in das Kind, das er war, spürt dem Staunen, den Ängsten, der Hilflosigkeit und der Unbekümmertheit nach und wird dabei keinen Augenblick lang nostalgisch. Nicht einmal dann, wenn er das Verschwinden dieser Welt und auch des Kindes aus der Mitte des 20. Jahrhunderts als unwiederbringlich und unwiederholbar beschreibt.

Service

J.M.G. Le Clézio: "Bretonisches Lied", aus dem Französischen von Uli Wittmann, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 86 Seiten

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