Mensch besteigt Berg

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Adrian Goiginger

"Märzengrund" im Kino

2016 wurde im Tiroler Zillertal das Theaterstück "Märzengrund" von Felix Mitterer uraufgeführt. Im Zentrum steht ein junger Mann, der beschließt, sein Leben allein in den Bergen zur verbringen, erzählt nach der wahren Geschichte des Zillertalers Simon Koch. Nun haben Mitterer und der Salzburger Regisseur Adrian Goiginger den Stoff zu einem Drehbuch verarbeite. Goiginger, bekannt durch seinen Film "Die beste aller Welten", hat es selbst verfilmt.

Lieber ein Buch lesen, als den Kuhstall ausräumen; mehr Leidenschaft für die Literatur als für die Mistgabel. Von Anfang fühlt sich junge Elias (Jakob Mader) fremd in der bäuerlichen Welt des Zillertals in den 1960er Jahren, in der Welt seiner eigenen Familie. Sehr zum Missfallen seines Vaters, des reichsten Bauern in der Gegend (Harald Windisch). Dass Elias Mutter (Gerti Drassl) den Hang zur Buchlektüre verteidigt, stimmt den Vater auch nicht freundlicher.

Mann und Frau auf einer Alm

Harald Windisch und Gerti Drassl als Elias' Eltern

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Vorbestimmtes Leben

Das Gespräch zwischen Vater und Mutter beobachtet die Kamera etwas aus Ferne, durch eine Tür. Der Bildausschnitt ist klein, die Enge des Milieus, die Zwänge dieses Lebens sind damit hinreichend definiert, etwa die Vorbestimmung: Elias soll den Hof übernehmen, das ist wie das Amen im Gebet.

Ein Leben, dem sich der Halbwüchsige radikal verweigert. Fast 40 Jahre wird Elias oben in den Bergen bleiben, am Märzengrund ein Einsiedlerleben führen.

Junger Mann am Lagerfeuer

Jakob Mader

Jakob Mader als Elias

Wie leben?

Mit der Flucht aus der Zivilisation in die Freiheit stellt der Film Grundsatzfragen: Nach welchen Werten soll man leben? Wie wichtig sind materielle Güter wirklich? Wo beginnt und endet die Freiheit des einzelnen, wo die Verantwortung für Gesellschaft und Familie?

Regisseur Adrian Goiginger: "Natürlich war das auch eine egoistische Entscheidung, an der letztlich die ganze Familie zerbrochen ist. Der Hof ist am Ende verwahrlost."

Suppe aus Leckstein

Der Film porträtiert Elias´ karges Leben als Überlebenskampf gegen Schnee, Wind und Kälte. Körperpflege gibt es nur im eisigen Bergbach. Gegen Hunger sind Hartnäckigkeit und Erfindungsreichtum gefragt, etwa wenn Elias eine Suppe aus Leckstein kocht, den er zuvor bei einer Futterkrippe entwendet hat.

Freiheit, das bedeutet im Kino auch den Blick über Bergpanoramen vor tiefblauem Himmel, unberührte Schneelandschaften, saftig-grüne Wiesen, Lagerfeuerheimeligkeit - attraktive Schauwerte freilich, aber mit Gefahrenpotenzial: "Das kann schnell kitschig werden", sagt Adrian Goiginger, "vor allem, wenn die Lichtverhältnisse gut sind und auch noch die Blumen auf den Wiesen blühen."

Sehnsucht nach Rückzug

Gerade unter den Vorzeichen gegenwärtiger Krisen - Stichworte: Pandemie, Klima, Krieg - bedient der Film "Märzengrund" unweigerlich Flucht- und Verdrängungsreflexe, die Sehnsucht nach dem Rückzug. Dieser Naturromantik darf man durchaus mit Skepsis begegnen.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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