Umberto Giordano

GEMEINFREI

"Was für ein Opernstoff!"

"Fedora" aus der Met

Beim Namen des Komponisten Umberto Giordano denken viele Opernaficionados zuerst an die Revolutionsoper "Andrea Chénier" - und der Erfolg dieses Werks hat im Grunde erst die Vertonung der nachfolgenden "Fedora" ermöglicht.

Für den Komponisten hatte es dreier Versuche bedurft, um die Rechte zur Bearbeitung und Vertonung der Vorlage zu erhalten.

Die Oper "Fedora" basiert - wie auch Puccinis "Tosca" - auf einem Drama von Victorien Sardou; die jeweiligen Schauspielfassungen der Opern hatte einst die legendäre Schauspielerin Sarah Bernhardt bekannt gemacht. Der nicht einmal 20-jährige Giordano hatte die Bernhardt bei einem Gastspiel in Neapel als Fedora erlebt, und sogleich soll er in sein Tagebuch geschrieben haben: "Was für ein Opernstoff!" Doch der junge Komponist musste sich zunächst gedulden - es gelang ihm zwar, mit dem berühmten Victorien Sardou in brieflichen Kontakt zu treten, doch an einen puren Anfänger wollte der große Autor die Vertonungsrechte nicht übertragen. Giordano musste seinen Weg zuerst einmal ohne "Fedora" bestreiten.

Der jüngste Kandidat hat gefallen

Er machte in den späten 1880er Jahren bei einem Kompositionswettbewerb mit. Der Gewinner war damals zwar Pietro Mascagni mit "Cavalleria rusticana", aber der Verleger Sonzogno schien auch Gefallen am jüngsten der 73 Kandidaten, eben an Giordano, gefunden zu haben und erteilte den Auftrag, ein neues Werk zu schreiben - Giordanos Oper "Mala vita" entstand und wurde 1892 in Rom uraufgeführt.

Nun war ein erster Erfolg vorhanden, vielleicht würde Victorien Sardou jetzt in anderer Art reagieren - und der junge Giordano musste nicht einmal selbst bitten, sondern konnte einen angesehenen Verleger vorschicken. Auf die Unerfahrenheit des Komponisten konnte sich Sardou nicht mehr ausreden, doch jetzt stellte er exorbitante finanzielle Forderungen, die der Verlag nicht erfüllen konnte. Erst die triumphale Mailänder Uraufführung des Andrea Chénier, mit der Giordano in die erste Reihe der führenden Komponisten seiner Zeit aufstieg, ließ den Dichter Sardou umdenken; plötzlich hatte er keine Einwände mehr - und man konnte einen für beide Seiten zufriedenstellenden Vertrag abschließen.

Mit Enrico Caruso uraufgeführt

Im Mailänder Teatro Lirico fand 1898, zwei Jahre nach "Andrea Chénier", die Uraufführung der "Fedora" statt - und diese Weltpremiere war im Grunde auch ein entscheidender Schritt in der Karriere des jungen Enrico Caruso; er hat den Loris Ipanov aus der Taufe gehoben und später als tenoraler Weltstar diese Rolle in Fedora an vielen Bühnen immer wieder gestaltet - unter anderem an der Metropolitan Opera in New York. Ebendort kehrt Fedora nach 25 Jahren der Absenz in einer neuen Produktion in das Repertoire zurück – starbesetzt mit Sonya Yoncheva in der Titelrolle und Piotr Beczała in der Partie des Loris.

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