ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Jänner 2026
Ö1 Buch des Monats: "Die späten Tage"
Natascha Wodins Roman über die verbindende Kraft der Liebe ist das Ö1 Buch des Monats.
28. Dezember 2025, 12:00
Natascha Wodin hat ein literarisches Werk geschaffen, das herausragt aus der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die Bücher der 1945 geborenen Autorin sind allesamt autobiografisch motiviert. Sie erzählen von ihren aus der Sowjetunion stammenden Eltern, die von den Nazis nach Deutschland verschleppt wurden, von Ausgrenzung und Angst. Jetzt hat sie ein Buch über die Zumutungen des Alters geschrieben und über das Glück, sich noch einmal zu verlieben: "Die späten Tage".
Darin räumt sie auf mit der verbreiteten Ansicht, wonach das Leben im Alter ruhiger und beschaulicher wird. Das Gegenteil ist hier der Fall. Das Alter ist eine Zumutung, ein übermächtiger Gegner, der jeden Tag neuen Tribut fordert. Der Gegenpol zum allmählichen Verlöschen und Versinken im Nichts ist die Liebe - und die ist stärker als der Tod.
"Die späten Tage" ist vor allem ein Roman über die verbindende Kraft der Liebe. Natascha Wodin bringt das Glück und das Leid im Alter eindringlich und authentisch zur Sprache. Ihre schnörkellosen, schlichten Sätze malen nichts aus, sie zielen vielmehr auf den Kern dieser existenziellen Erfahrungen. Darin liegt die große Schönheit dieser Prosa.
Service
Natascha Wodin: „Die späten Tage“, Rowohlt Verlag, 288 Seiten
