Magdalena Grunt hält sich ein Auge zu - Track 5

ORF/ISABELLE ORSINI UND ROSENBERG

Ausgezeichnet

Ö1 Kurzhörspielwettbewerb Track5‘

Aus den 202 gültigen Einreichungen nominierte eine Jury zehn Kurzhörspiele. Die geforderten Kriterien waren, neben einer Länge von maximal fünf Minuten, ein Original-Ton und der Satz "Schließ die Augen".

Platz 1 und damit 1.000,- Euro Preisgeld ging an Florinda Frisardi mit ihrem Stück „The blue remains“. Den zweiten Platz mit 500,- Euro belegte „EUROPE IS NOT THE OPTION“ von Ighedosa 9th Floor Berner, Platz drei mit ebenfalls 500,- Euro ging an das Hörstück „Stiller Abschied“ von Stefan Kloiber.

Zusätzlich vergab die „schule für dichtung“ zum zwölften Mal einen Sonderpreis, dotiert mit 1.000,- Euro, den Christian Rilling für sein Kurzhörstück „Die Brandtner Hube“ erhielt.

"The blue remains" von Florinda Frisardi

"The blue remains" von Florinda Frisardi

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Jurybegründungen

Platz 1: „The blue remains“ von Florinda Frisardi

In Florinda Frisardis Science-Fiction-Miniatur wird der Spezies Mensch der Prozess gemacht: Im Auftrag der "Federation of Allied Spatial Beings" nähert sich eine extraterrestrische Raumfahrerin der Erde, um herauszufinden, ob der Planet noch der Rettung wert ist oder der Selbstzerstörung überlassen werden kann. Die Inspektorin wird zur Liebenden in dem Moment, wo sie sich beim Heranzoomen Geräusche vorzustellen beginnt: Waldboden, Wasser, Sand. Wie die monochrom blaue Leinwand von Derek Jarmans Filmpoem versetzt die Filmemacherin Frisardi in eine Distanz zu den Bildern, die uns leiten. Ihr Hörstück entlässt uns in einen schwer fasslichen Schwellenzustand, der vielleicht nichts anderes sein möchte als Möglichkeitsform.

Mit seinen sphärischen Elektrosounds erfüllt The blue remains die Genre-Konvention, Florinda Frisardis Erzählung aber verlässt buchstäblich den vorgezeichneten Kurs. Sie gewinnt aus dem Zoom-out ein Close-up, aus dem "fremden Blick" Involvierung. Es heißt, der Klimapolitik mangle es an überzeugenden Erzählungen. Sie möge künstlerische Arbeiten zeigen, zum Beispiel dieses Hörstück.

Platz 2: „EUROPE IS NOT THE OPTION“ von Ighedosa 9th Floor Berner

Bass, Lautstärke, Überforderung. Der Text ist in den Hintergrund gerückt, scheint aus einer Ferne zu kommen, die nicht ganz greifbar wird. Dieses Audiostück verlangt Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit für eine Lebensgeschichte, die nicht nur in „EUROPE IS NOT THE OPTION“ neben der wummernden Geräuschkulisse untergeht, sondern auch sonst wenig Gehör bekommt. Eine Geschichte von Flucht und Ausbeutung, vom Über- und Weiterleben. Das Stück, die entrückten Worte zu verstehen ist anstrengend, ja, aber vielleicht muss eine solches Stück anstrengend sein. Vielleicht muss es auch zwei, drei Mal gehört werden - schließlich geht es um ein Leben. Am Ende schält sich aus den dröhnenden Bässen ein Gesang heraus. Ein neuer Rhythmus als Zeichen, dass es eben diese Stimme noch gibt, dass sie noch singen kann. Ein forderndes, lautes Stück mit einer Botschaft, die leise in uns widerhallt.

Platz 3: „Stiller Abschied“ von Stefan Kloiber

Der Glockenklang einer Kirchturmglocke verrät uns augenblicklich, an welchem Ort wir uns befinden. Das Glockenläuten begleitet uns bis kurz vor Ende des Hörstücks und bindet uns so direkt an den Friedhof. Das gesprochene „Servus“ und „Mein Beileid“ vermittelt uns, dass wir einem Begräbnis beiwohnen. Wir werden zu Mithörern von zwei Beileidsbekundungen. Was mit empathischer Anteilnahme und Floskeln von Trauerwünschen beginnt, entwickelt sich im zweiten Teil zu einer Dynamik von Egomanie. Es geht dabei um den Druck eines Einladungsfolders zur eigenen Lesung. Die Sprache wird immer aggressiver, die gesprochenen Worte beleidigender, der Wortschwall wird abrupt beendet, die Tonspur gipfelt in dramatischer Orgelmusik. Mit minimalistischen Mitteln ausgezeichnet umgesetzt, aber vor allem mit der Würze von Selbstironie, hören wir gespannt zu. Das Hörstück entlässt uns mit einem nachdenklichen Lächeln.

Christian Rilling

"Die Brandtner Hube" von Christian Rilling

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Preis der „schule für dichtung“

"Die Brandtner Hube"

Hier wird mit der Grundausstattung des klassischen Hörspiels gearbeitet: Schritte, unheilvolle Geräusche, eine knarzende Tür. Dazu eine Erzählstimme und 2 schillernde Charaktere. Mehr braucht es nicht. Uns überzeugte die minimale Handlung, der rhythmische Wechsel der Erzählebenen, die Sprecherleistung von Karl und Seppl und die Verwendung des vorgeschriebenen Satzes „Schließe die Augen!“ am Ende der schauerlichen 5 Minuten.
Der Preis der Schule für Dichtung geht an das spannendste Kurzhörspiel des Track5 Jahrgangs 2026: Karl und Seppl in: "Die Brandtner Hube".

Alle Einreichungen

von Track 5' - Schließ die Augen! finden Sie hier.