"Heiliges Grab" im Stift Dürnstein

ORF/MARKUS VEINFURTER

Memo

Das Grab Jesu als heiliges Theater

Über Heilige Gräber und Osterkrippen.

Nicht nur zur Weihnachtszeit: In sogenannten Osterkrippen werden die biblischen Berichte ebenfalls mit kleinen oder größeren Figuren nachgestellt. Eine Sonderform sind die Heiligen Gräber. Eines davon ist ein echter Geheimtipp: im Stift Dürnstein (in der Wachau), denn der barocke Kreuzgang ist nur in der Karwoche und zu Ostern öffentlich zugänglich. Dort, wo die Chorherren einst betend auf und ab gingen, hat Antonio Galli da Bibiena 1731 in einer kleinen Seitenkapelle ein echtes Barockjuwel geschaffen. Er war eigentlich Theaterarchitekt, und so sieht es auch aus, sein Heiliges Grab: Eine trauernde Mutter Maria (mit einem symbolischen Schwert im Herzen) sitzt auf einer Bühne ganz vorn in der Mitte - in Form einer Silhouettenschnittfigur.

Bei näherer Betrachtung ähnelt sie also einer überdimensionierten Laubsägearbeit - dank der Bemalung wirkt sie aber fast wie eine Statue. Hinter ihr erzeugen Kulissen mit Säulen, Bögen und der Andeutung einer Kuppel eine täuschend echte Tiefenwirkung. Der Blick wird dadurch auf einen leeren Thron gelenkt - mit Folterwerkzeugen im Hintergrund (Geißelsäule, Dornenkrone, Leiter und Kreuz). Drei Nägel liegen auf der Sitzfläche.

Sinnlichkeit wider die Reformation

Bei näherer Betrachtung ähnelt sie also einer überdimensionierten Laubsägearbeit - dank der Bemalung wirkt sie aber fast wie eine Statue. Hinter ihr erzeugen Kulissen mit Säulen, Bögen und der Andeutung einer Kuppel eine täuschend echte Tiefenwirkung. Der Blick wird dadurch auf einen leeren Thron gelenkt - mit Folterwerkzeugen im Hintergrund (Geißelsäule, Dornenkrone, Leiter und Kreuz). Drei Nägel liegen auf der Sitzfläche.

Si male fecisti / mox respice vulnera Christi

Der Leichnam Jesu selbst ruht direkt unter seiner Mutter - also in der Unterbühne. Das Grab Jesu als "heiliges Theater" mit bunten Kugeln, die man damals mit Öllämpchen, heute elektrisch beleuchtet: Im Kampf gegen die sachlich nüchterne Reformation setzt die katholische Kirche im 17. und 18. Jahrhundert bewusst auf Sinnlichkeit. Die Macht des bunten Bilds (und auch die Freude daran) wird dem Wort, dem Studium der Schrift allein entgegengesetzt.

"Heiliges Grab" im Stift Dürnstein

"Heiliges Grab" im Stift Dürnstein

ORF/MARKUS VEINFURTER

Blick durch Mariens Herz in Dürnstein

Das Kunstwerk im Stift Dürnstein hält daher noch eine Überraschung bereit: Im Herzen Mariens ist ein Loch in der Silhouettenschnittfigur. Kniet man nun vor dem Grab nieder, blickt man durch das Herz auf den leeren Thron und die Folterwerkzeuge. Daneben steht auf Latein an der Wand: "Si male fecisti / mox respice vulnera Christi" ("Wenn du Böses getan hast, blicke rasch auf die Wunden Christi"). An der Wand daneben sind die Stationen des Kreuzwegs zu sehen - im Barock ebenfalls ein sehr beliebtes Motiv. Auf den sogenannten Kalvarienbergen wurde das Leiden Jesu mit oft lebensgroßen Figuren regelrecht in die Landschaft gestellt.

Weniger subtil als das Heilige Grab in Dürnstein sind die Osterkrippen (auch Fasten- oder Passionskrippen genannt): Wie zu Weihnachten werden die biblischen Berichte mit kleinen oder größeren Figuren nachgestellt. Statt Ochs und Esel sind die Kreuzigung und das letzte Abendmahl zu sehen - manchmal auch die Bergpredigt oder die Taufe im Jordan.

"Heiliges Grab" in der Pfarrkirche Straning

"Heiliges Grab" in der Pfarrkirche Straning

ORF/MARKUS VEINFURTER

Osterkrippe in Straning

Im Barock fast allgegenwärtig, lagen Osterkrippen und Heilige Gräber in der Aufklärung nicht mehr im Trend. Kaiser Joseph II. wollte sie wohl gänzlich aus den Kirchen verbannen - und die Weihnachtskrippen gleich mit. Erst im späten 19. Jahrhundert kam es zu einer Renaissance. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist in der Pfarrkirche Straning zu finden - direkt an der Grenze zwischen Wald- und Weinviertel. Der Leichnam (von einem durchsichtigen Schleier bedeckt) ist von zwei Holzpaneelen flankiert, auf denen bereits österliche Szenen zu sehen sind: auf der einen Seite die Frauen des Ostermorgens mit ihren Salbölgefäßen, auf der anderen die Apostel Petrus und Johannes - alle schon auf dem Weg zum leeren Grab.

Gestaltung

  • Markus Veinfurter