Menschen vor Riesenbüchern

APA/DPA/HENDRIK SCHMIDT

Kontext

Sachbücher im Mai

Die monatlich erscheinende Sachbuch-Bestenliste der Medienpartner "Die Literarische Welt", Radiosender WDR 5, "Neue Zürcher Zeitung" sowie Ö1.

Unabhängiges Gremium

Unsere Liste wird von einem unabhängigen Gremium erstellt, dem Fachjournalisten und renommierte Publizisten angehören, darunter Wissenschaftler wie Herfried Münkler und Jochen Hörisch. Das Gremium, das ab Januar noch erweitert werden wird, ermittelt monatlich zehn Bücher auf Basis von Punkten. Jeder Juror, jede Jurorin kann 8, 6, 4 oder 2 Punkte für vier Bücher vergeben.

1. Ines Geipel

"Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung", S. Fischer Verlag, 336 Seiten

2. Heinrich Geiselberger, Thomas Biebricher et al. (Hg.)

"Oben rechts. Rechtspopulismus als Klassenprojekt", Suhrkamp Verlag, 271 Seiten

3. Golo Maurer

"Olevano. Als ein paar romantische Aussteiger in Italien die deutsche Kunst erfanden", C. H. Beck Verlag, 384 Seiten

4. Jill Lepore

"We The People. Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung", übersetzt von Werner Roller und Annabel Zettel, C. H. Beck Verlag, 920 Seiten

5. Elisabeth Lenk

"Kritische Schriften. Essays", herausgegeben von Rita Bischof, Verlag Matthes & Seitz Berlin, 718 Seiten

6. Stephen Greenblatt

"Dunkle Renaissance. Wie Shakespeares größter Rivale Christopher Marlowe die Konventionen sprengte und die Literatur revolutionierte", übersetzt von Susanne Held, Siedler Verlag, 416 Seiten

7. Agnes Callard

"Sokrates. Wie man durch ein philosophisches Leben die Angst vor fast allem verliert", übersetzt von Antje Korsmeier, C. H. Beck Verlag, 429 Seiten

8. Klaus Bittermann/Christoph Hesse (Hg.)

"Umkämpfte Geschichte. Einsprüche gegen die Umdeutung des 7. Oktober", Edition Tiamat, 304 Seiten

9. Klaus Brinkbaumer

"Der amerikanische Albtraum. Faschismus made in USA", S. Fischer Verlag, 352 Seiten

10. Daniel Haas

"Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte", Goldmann Verlag, 225 Seiten

"Auch wenn die Hochhäuser in der Frankfurter City nicht mehr alle bis obenhin mit Geld gefüllt sind, bilden sie doch eine Skyline, die für die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik steht. Aber Frankfurt - 'keine Stadt, die Flaneure durch ihre Schönheit besticht' (Jürgen Habermas) - ist eben auch die Stadt, in der nach dem Krieg mit der Rückkehr des Instituts für Sozialforschung und der Lehrtätigkeit von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno und später mit Jürgen Habermas und Alexander und Margarete Mitscherlich, mit dem Fritz Bauer Institut, mit den Verlagen S. Fischer und Suhrkamp, mit der Buchmesse, mit dem Hessischen Rundfunk und seinen Redakteuren Adolf Frisé und Gerd Kalow, die damals noch für die Verbreitung der Kultur zuständig waren, mit den Frankfurter Heften und der FAZ und vielen anderen Initiativen und Institutionen ein geistiges Zentrum entstand, das die intellektuelle Physiognomie der Bundesrepublik entscheidend geprägt hat. Der Soziologe Stefan Müller-Doohm, Sohn eines Frankfurter Verlegers und Sammler der Bücher der Eremitenpresse von VauO Stomps, seit 1974 Professor in Oldenburg und Autor zweier in der ganzen Welt gelesener Biografien von Adorno und Habermas, hat seine formal ganz unterschiedlichen Beiträge zu Frankfurt als geistiger Lebensform gesammelt: ein wunderbarer Rückblick auf eine Zeit, als der Schraubstock von Ökonomisierung und Bürokratisierung der Hochschulen seine zerstörerische Arbeit noch nicht aufgenommen hatte." (Michael Krüger)