SOFIJA PALUROVIC
Ö1 Talent im Porträt
Joao Pinto
Zehn Komponierende waren im Finale des Ö1 Talentebörse-Kompositionspreises, der mit 10.000 Euro dotiert ist und von der Oesterreichischen Nationalbank unterstützt wird. Die Finalist:innen wurden jeweils von einer der fünf österreichischen Musikuniversitäten nominiert. In "Zeit-Ton" werden die Komponist:innen porträtiert.
8. Mai 2026, 16:27
Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
Geboren im Jahr: 1998
In: Lissabon, Portugal
Zur Musik gekommen bin ich: Als zweijähriges Kind hat mir mein Opa ein kleines Keyboard zum Geburtstag geschenkt. Ab diesem Moment konnte ich es nicht mehr loslassen. Ich habe damals oft aus dem Radio nach Gehör gespielt und dann angeblich meinen Eltern gesagt, dass mir Tasten gefehlt haben. Daraufhin haben sie ein E-Piano mit 88 Tasten besorgt und Klavier- und Musiktheorie-Unterricht organisiert. Ab da hat es sich eigentlich ziemlich schnell entwickelt, bis ich meine ersten kleinen Stücke für Klavier komponiert habe.
Meine Universität: mdw
Studium bei: Oscar Bianchi und Jorge Sanchez
Künstlerische Inspiration bekomme ich: meistens aus meinem Alltag, aus ganz normalen Situationen, aus der Natur, aus Gedichten und sehr oft aus der Malerei.
Bevorzugte Besetzung: Ich finde ein großes Ensemble sehr spannend, weil es genau an der Grenze ist, wo man noch für alle solistisch schreiben kann, ohne dass jemand verloren geht. Beim Orchester muss das Material oft vereinfacht werden und dadurch bietet es manchmal sogar weniger Möglichkeiten.
Lieblingsinterpret oder Interpretin: Ensemble Intercontemporain.
Wenn ich einen Komponisten oder Komponisten tot oder lebendig etwas fragen könnte: Ich würde sehr gern mit Gérard Grisey konversieren. Mich würde interessieren, wie genau er arbeitet, wie er seine Harmonien entwickelt usw. Ich finde ihn generell eine sehr spannende Persönlichkeit.
Wenn ich gerade nicht musiziere, lese ich oder schaue ich Filme sehr gerne. Ich koche und backe auch oft in meiner Freizeit und spiele regelmäßig Volleyball und Tennis.
Ich höre beim Spazieren: lieber gar nichts.
… zum Einschlafen: ASMR oder einfach Regengeräusche.
… zum Aufwachen: Nachrichten, Podcasts oder sehr lebendige Musik. Zum Beispiel Salsa.
Ich höre nie: auf.
Meine Ideen für meine Kompositionen bekomme ich: oft erst nach ein paar Stunden beim Komponieren. Ich glaube, es war Picasso, der gesagt hat: „Inspiration exists, but it must find you working.“ Aber auch oft beim Einschlafen. Manchmal kann ich gar nicht einschlafen, weil ich so viel über Musik nachdenke.
Ich empfehle mein Werk: „Sliver“. Das war mein erstes Streichquartett und ein Stück, das mir sehr naheliegt. Dort geht es primär um das Fragmentieren von Klangmaterial. In diesem Fall ein einfaches Glissando. In seiner ursprünglichen Form hört man das Glissando aber erst am Ende des Stücks. Davor versuche ich verschiedene Perspektiven und Ansichten auf dieses Material darzustellen, in unterschiedlich großen Fragmenten, mit verschiedenen Dynamiken und Klangfarben usw. Am Anfang spielt das Quartett mit Kreditkarten, am besten abgelaufene Kreditkarten. Und im zweiten Teil gibt es dann Variationen der gleichen Idee. Aber dann mit dem Bogen. Das ganze Stück ist eher leise und es gibt manchmal Momente, in denen ich versuche, fast unhörbare ASMR-Klänge nachzuempfinden, die mich faszinieren.
Gestaltung
- Marie-Theres Himmler
