Joseph Theodor Böhm

ORF/MARIE SPATZEK

Ö1 Talentebörse

Joseph Theodor Böhm, Computermusik & Klangkunst

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Joseph Theodor Böhm studiert Computermusik & Klangkunst an der Kunstuniversität Graz.

Ich begeistere mich für die kleinen Dinge des Alltags – das Zischen einer Espressokanne, das Klicken eines Feuerzeugs, das Knacken einer Karotte. Ich stelle lieber Fragen und probiere Dinge aus, ohne wissen zu müssen, wohin sie führen.

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

Was ist Kunst?

Etwas, das mich über den eigenen Tellerrand blicken lässt, und meine Vorstellung von der Welt verändert.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Ich würde sagen von dürfen: Denn beim Können benötigt man Fähigkeiten, beim Müssen gibt eine andere Autorität dir Befehle und beim wollen ist ein Wille und eine klare Intention da. Alles kann in der Kunst vorkommen – aber die Freiheit, dass man erst einmal ohne jegliche Vorkenntnisse, Meinungen von außen und Intentionen „machen darf“ ist für mich oft der Ursprung meiner Kunst.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich habe Klavier und Schlagzeug gelernt – ich begeistere mich für Musik. Dann ging ich nach Graz um Musikologie zu studieren – was ich immer noch mit Leidenschaft mache. Aber nicht nur Musik, sondern das Experimentieren mit Klang ganz generell zieht mich an. Dann habe ich das Studium Computermusik & Klangkunst begonnen und mich immer mehr mit Performance und Interaktion mit dem Publikum beschäftigt. Und nun sitze ich hier. Ich würde es ein „schrittweises Herantasten an die Kunst“ (falls es sowas gibt) nennen.

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

Mann muss sich im Müßiggang üben und das ist gar nicht so leicht in einer Zeit mit konstanter Reizüberflutung. Erst wenn einem der ganze Tag ohne Aufgaben und Sorgen offensteht, kommt man auf Ideen, die man sonst nicht hätte. Ich beginne dann herumzuexperimentieren, weil ich es darf – weil die intrinsische Motivation da ist – und nicht, weil mir von außen eine Aufgabe gegeben wurde.

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Beginnen ist einfach – ich habe viele Ideen, die nur darauf warten ausprobiert zu werden. Aber man muss sich die Zeit dafür nehmen. Es fällt mir leicht, Projekte „abzuschließen“, weil ich mir immer offenlasse, daran weiterarbeiten zu können und diese weiterzuentwickeln. Perfektionismus ist ein nicht zu erfüllendes Ideal, das einen daran hindert, Sachen zu Ende zu bringen und man selbst zu sein. Sobald man dieses ablegt, wird alles ganz leicht.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Geräusche des Alltags: Ein Wasserkocher, ein Feuerzeug, das Knacken von Karotten, Regen auf einem Blechdach, Vogelgezwitscher. Aber wenn ich mich auf einen Klang festlegen müsste, dann auf das Aufkochen einer Espressokanne, wenn der Kaffee fertig ist. Das ist so ein wunderbares Blubbern gemixt mit einem Zischen mit bestimmten Formanten.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

Viele denken da vielleicht an große Hallen, aber ich denke, dass meine Kunst eher für kleinere Orte gedacht ist. Ich sehe mich zum Beispiel in der Stadtwerkstatt in Linz, im Treibhaus in Innsbruck oder im Café Wolf in Graz.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Natürlich habe ich Vorbilder, von denen ich gerne lernen würde – etwa John Cage oder heute Florentina Holzinger. Zusammenarbeiten möchte ich aber vor allem mit Menschen, denen ich auf Augenhöhe begegne und mit denen ich mich persönlich gut verstehe. Ich suche nach Kooperationen – es kann im Austausch miteinander so viel Schönes entstehen.

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Ich will Menschen neue Ideen geben; neue Utopien; wie wir die Welt wahrnehmen und verändern können.

Ein Risiko, das ich mir erlaube, ist…

... die Offenheit des Ausgangs meiner Kunst. Dass nichts genau vorbestimmt ist; dass es immer Spielräume für unerwartete Überraschungen (Serendipitäten) gibt. Frei nach dem Motto: Planlos ging der Plan los.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Ich habe erst vor Kurzem einen alten Overheadprojektor gefunden und experimentiere jetzt mit Liquid-Light-Shows. Ich lasse farbige Flüssigkeiten – Öl, Wasser, Seife und Alkohol – in einer Schüssel ineinanderfließen und zeichne damit Bilder. Eine wunderbare Tätigkeit.

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Eine Freundin und ich haben Walgesänge mit Drum & Bass gemixt – klang super! Und beim Proben/Experimentieren mit Freund:innen. Oft entstehen die schönsten Dinge genau dann, wenn etwas komplett schiefläuft.

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