ORF/MARIE SPATZEK
Ö1 Talentebörse
Rui Cao, Bildende Kunst
In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Rui Cao studiert Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste.
6. August 2026, 07:55
Ich bin eine romantische Idealistin, jemand, der es genießt, in seiner Fantasiewelt zu leben, eine Träumerin.
Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
Geboren: 1998 in Heilongjiang, China
Aktuelles Studium: Bildende Kunst (Daniel Richter), Akademie der bildenden Künste Wien
Mein größter Erfolg: Dass ich einfach ich selbst bin, schätze ich.
Was ist Kunst?
Kunst ist eine Sprache, ein Ausweg, ein Werkzeug zur Veränderung. Eine Möglichkeit, jenen verschwommenen, abstrakten, undefinierten, unfassbaren Gedanken oder Gefühlen Gestalt zu verleihen.
Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?
Kunst entspringt einem Verlangen beziehungsweise einer Intention – von welchem oder welcher man das Gefühl hat, dass man sich auf diese Weise ausdrücken muss und es keinen besseren Weg gibt.
Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Mein Großvater und mein Vater malen; mein Großvater malt chinesische Bilder, und mein Vater wurde später Innenarchitekt. Deshalb male ich schon seit meiner frühesten Kindheit – es ist meine Art, mich auszudrücken, meine Sprache.
Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?
Da ich gesagt habe, dass Kunst ein Ausweg und eine Ausdrucksform ist, kommen dem Ausdruck als erstes Gedanken oder Gefühle voraus. Es sind jene Gedanken und Gefühle, die mich dazu drängen, dass ich etwas tun muss, um sie herauszulassen. Sprache selbst ist jedoch limitiert, sie kann nicht bis an die Grenzen des Geistes vordringen, nicht einmal annähernd. Je mehr man redet, desto mehr Missverständnisse schafft man, deshalb muss man dies auf andere Weise ausdrücken – für mich ist das die Kunst.
Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?
Für mich ist es nicht schwer anzufangen, die subtilen Ideen oder Gedanken kommen mir sofort in den Sinn. Sobald ich aber versuche, jene durch Malerei auszudrücken, erfordert es einen Übersetzungsprozess. Wie übersetze ich meine Gedanken in die Sprache der Kunst, in die Sprache der visuellen Bilder? Das ist der Schaffensprozess, daher ist der Anfang eigentlich der einfachere Teil.
Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?
Vielleicht das Album ASYNC von Ryuichi Sakamoto – ich weiß nicht, ob es meine Arbeit treffend beschreibt, aber das ist das Erste, was mir in den Sinn kommt.
Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?
Ich hoffe, dass ich eines Tages etwas auf einer Ebene, in den Bergen oder im Wald tun kann, beziehungsweise an Orten wie einem Zoo oder Bauernhof. Dort leben die Tiere in meinen Bildern. Vielleicht wäre das ganz harmonisch, oder vielleicht wäre es auch nur heuchlerisch, ich weiß es nicht.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Früher war es Ryuichi Sakamoto, aber er ist 2023 verstorben. In den Jahren, als er bereits krank war, hatte ich einen Brief an sein Studio gesendet. Als Antwort von seinem Team habe ich erhalten, dass mein Schreiben an ihn weitergeleitet wurde. Ich glaube, das war das einzige, was ich je mit ihm zu tun hatte. Seit seinem Tod habe ich nicht mehr daran gedacht, mit jemandem zusammenzuarbeiten.
Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?
Ich hoffe, sie spüren diese starke Welle des Herzklopfens, die aus der Mischung aus Qual und Aufregung entsteht – wie in einem Moment, in dem man vor lauter Verlangen fast untergeht und den Verstand oder die Selbstbeherrschung verliert.
Ein Risiko, das ich mir nicht erlaube, ist…
Ein Risiko das ich nicht eingehen werde ist, mich selbst zu verlieren, denke ich.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Vor ein paar Tagen habe ich meine ersten Siebdrucke gedruckt und veröffentlicht. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend.
Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?
Ich lache eigentlich ziemlich oft, kann mich jedoch nicht wirklich daran erinnern, worüber ich zuletzt richtig herzhaft gelacht hab. Jedoch die Dinge, bei denen ich einfach nicht mehr aufhören kann zu lachen, sind meistens irgendwelche albernen oder zufälligen Sachen die überhaupt keinen Sinn ergeben.
