JULE WÜRFEL
Ö1 Talentebörse
David Carol Fedders, Ortsbezogene Kunst
In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. David Carol Fedders studiert Ortsbezogene Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien.
7. August 2026, 07:55
Junge Künstlerinnen und Künstler im Portät
Als Jugendlicher war institutionalisierte Kunst für mich das Spießigste überhaupt. Ich habe mich mehr für Graffiti und Politik interessiert.
Geboren: 1997 in Bielefeld, Deutschland
Aktuelles Studium: Ortsbezogene Kunst (Paul Petritsch), Universität für angewandte Kunst Wien
Mein größter Erfolg: Mein größter Erfolg sind meistens die Momente, in denen etwas funktioniert, von dem ich vorher nicht wusste, ob es überhaupt möglich ist. Zum Beispiel als ich mir in den Kopf gesetzt habe, Kirchenfenster aus Zuckerglas zu gießen, ohne zu wissen, ob das technisch überhaupt funktionieren kann.
Was ist Kunst?
Kunst machen heißt für mich zuallererst einmal ein selbstbestimmtes Verhältnis zur Welt zur entwickeln. Es ist die Suche und das Schärfen eines eigenen Blickes. Außerdem der Versuch, Fragen zu beantworten, die niemand außer man selbst gestellt hätte.
Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?
Ich denke, man muss wollen. Ich habe noch nie jemandem empfohlen Kunst zu studieren, wenn ich danach gefragt wurde. Denn ich denke, im Endeffekt muss das eigene Wollen stärker sein als die Ablehnung und Widerstände, die auf einen zukommen. Nur dann macht es wirklich Sinn.
Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Als Jugendlicher war institutionalisierte Kunst für mich das Spießigste überhaupt. Ich habe mich mehr für Graffiti und Politik interessiert. Irgendwann habe ich aber künstlerische Positionen kennengelernt, die total radikal waren und viel mit meinem Leben zu tun hatten. Und dann hat es für mich klick gemacht und ich habe mich richtig reingestürzt. Mittlerweile finde ich manche Institutionen sogar richtig toll. (Lach)
Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?
Vor allem brauche ich Zeit, damit ich in einem permanenten Arbeitsfluss bleiben kann. Die Routine und der permanente Fluss im Prozess und Ideen sind der beste Motor überhaupt. Dann habe ich das Gefühl, ich kann alles schaffen.
Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?
Eigentlich hat beides seine Tücken. Ich habe immer diverse Projekte parallel zueinander herumliegen und zu entscheiden, womit ich anfange, ist manchmal gar nicht so leicht. Manchmal hilft auch eine Anfrage oder ein räumlicher Kontext um aus einer Idee Realität werden zu lassen. Das Abschließen wiederum hat auch seine Eigenheiten. Bei mir zum Beispiel ist am Anfang in der Regel eine Idee. Dann steige ich dort ein, mache Experimente, recherchiere und komme in den Prozess. Irgendwann kommt dann immer der Zeitpunkt, wo ich merke, dass ich mich von meiner ursprünglichen Idee abnabeln muss. Und das ist nicht immer leicht. Aber ohne diese Abnabelung kann das Werk kein Eigenleben entwickeln. Es muss ja klüger werden als ich und meine Ideen!
Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?
Kochen und Blubbern
Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?
Also wenn ich mal so richtig anfangen würde zu träumen? Konzeptuell würde ich total gerne mal etwas für die DIA Art Foundation machen. Aber räumlich gesehen wäre die Fondazione Prada ein absoluter Traum. Ich habe schon so viele Ausstellung dort unfassbar genossen.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Wenn ich sie wiederbeleben könnte, dann definitiv Heidi Bucher. Aber von lebenden Künstler:innen fände ich wohl Danh Vo ziemlich spannend!
Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?
Die schönsten Komplimente, die ich je bekommen habe waren, dass mir Leute, nachdem sie in Ausstellungen von mir waren, gesagt haben, dass sie seitdem bestimmte Dinge nicht mehr gleich betrachten oder wahrnehmen können wie vorher. Das hat mich wirklich unfassbar gefreut.
Ein Risiko, das ich mir nicht erlaube, ist…
Ich habe mal ein Drehbuch geschrieben über eine frühe, sehr prägende Kindheitserinnerung. Das liegt schon lange rum und manchmal mache ich auch Entwürfe für Kostüme und Drehorte. Aber irgendwie traue ich mich noch nicht daran.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Eigentlich sind viele meiner Werke ein Neuanfang für mich. Jedes Mal wieder stehe ich einige Wochen vor einer Deadline und frage mich: Wie hast du dir das eigentlich vorgestellt? Zum Beispiel, als ich mir in den Kopf gesetzt habe, Kirchenfenster aus Zucker zu gießen, ohne zu wissen, ob das funktioniert! Oder bei meiner neuesten Arbeit, als ich gemerkt habe, wie unfassbar kompliziert es ist, Löwenzahn abzuformen. Und auf einmal musste ich schnell lernen 3D-Modelle zu bauen. Aber irgendwie kann ich nach einer Arbeit nicht direkt in einer gleichen Richtung weiter machen. Ich brauche etwas Pause und dann kreise ich wieder zurück und nehme alte Fäden wieder auf.
Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?
Gestern hat uns ein Office-Drucker stundenlang in den Wahnsinn getrieben. Irgendwann war die Situation so absurd, dass wir nur noch lachen konnten!
