Julia Belova Talentebörse

ELENA KRISTOFOR

Ö1 Talentebörse

Julia Belova, Kunst und Raum

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Julia Belova studierte Kunst und Raum | Objekt und Abstrakte Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

Ich erschaffe Monster als Figuren einer inneren Wirklichkeit – Wesen, die an der Grenze zwischen Unterbewusstsein, Körper und Vorstellungskraft entstehen.

Was ist Kunst?

Für mich ist Kunst zugleich ein Wunder, eine Therapie, Masochismus, Mut, Geduld, das Staunen über die eigenen Ideen und Gedanken, Kommunikation, stundenlange ununterbrochene körperliche und geistige Arbeit – und all das für die seltenen Momente des vollkommenen Glücks und das Gefühl, dass man alles richtig macht.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Alles auf einmal. Mit einem Unterschied: Das Gefühl, etwas „tun zu müssen“, betrifft bei mir nur die Organisation eines Projekts, nie den kreativen Prozess selbst. Außer natürlich, wenn eine Deadline im Nacken sitzt – dann muss man manchmal auch beim Schaffen etwas mehr Druck machen und mehr arbeiten, als sich normalerweise gut anfühlt.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich habe schon als Kind ständig gezeichnet. Und eines Sommers, als ich etwa acht Jahre alt war, habe ich beim Schwimmen im Teich Ton gefunden. Von diesem Tag an habe ich ununterbrochen Tiere und Prinzessinnen geformt und sie anschließend ins Gefrierfach meiner Großmutter gelegt – das war die einzige Idee, die ich damals hatte, um die Skulpturen hart zu bekommen. Vom Brennen wusste ich noch nichts, dafür weiß ich heute umso mehr darüber. Also wurde ich relativ früh auf eine Kunstschule geschickt. Und meine Eltern haben mich dabei sehr unterstützt. Deshalb war es ganz natürlich für mich, diesen Weg weiterzugehen, als hätte es gar keine andere Möglichkeit gegeben. Natürlich gab es auch Zweifel und Versuche, alles hinter mir zu lassen. Ich habe sogar Germanistik in Sankt Petersburg ein wenig studiert, weil ich Deutschübersetzerin werden wollte. Doch ziemlich schnell wurde mir klar, dass mein Platz unter Künstlerinnen und Künstlern ist.

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

Stille – wenn niemand mit mir spricht. Am besten ist sogar völlige Abgeschiedenheit, dazu meine Lieblingsmusik oder einfach Ruhe, je nach Stimmung. Dann gelingt mir alles. Ähnlich ist es bei Spaziergängen allein in der Natur. Ich gehe sehr gern zu Fuß, und gerade während solcher Spaziergänge kommen mir oft neue Ideen. Außerdem hilft mir Sport. Das mag vielleicht seltsam klingen, aber gerade dann, wenn ich während des Trainings nicht an Kunst denke und mich stattdessen ganz auf die körperlichen Empfindungen konzentriere, kommen mir oft die besten Ideen.

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Ein Projekt zu beenden fällt mir eindeutig leichter. Der Anfang kann manchmal sehr herausfordernd sein, und besonders bei neuen Projekten, die Neuland für mich sind, habe ich oft Respekt davor, den ersten Schritt zu machen. Doch sobald ich angefangen habe, trägt mich die Arbeit meist bis zum Ende. Und obwohl ich im Kopf oft noch weitere Möglichkeiten und Ideen durchspiele, weiß ich normalerweise sehr genau, wann ein Werk abgeschlossen ist.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Ich würde sagen, es klingt wie ein Cello, besonders wenn die offenen Saiten G und C gleichzeitig erklingen.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

Ich träume schon lange davon, in einem möglichst barocken Raum – einer barocken Kirche oder einem Palast – auszustellen, mit Stuck und Skulpturen, damit meine Neuinterpretation des religiösen Barock durch eine queer-feministische Perspektive in einen Dialog mit dem ursprünglichen Barock tritt und neue Bedeutungen entstehen lässt. Glücklicherweise gibt es in Westeuropa viele solcher Räume, und ich hoffe sehr, dass sich mir diese Chance einmal bietet. Insgesamt liebe ich Räume mit Geschichte; zeitgenössische Kunst bekommt dort immer eine besondere Ausstrahlung.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Als Erstes kommen mir zwei Künstler:innen in den Sinn: Ashley Hans Scheirl und Julian Göthe. Mit Scheirl hatte ich kürzlich die Gelegenheit, persönlich zu sprechen, und dieses Gespräch hat mich sehr inspiriert, insbesondere im Hinblick auf Queer-Theorie. Insgesamt inspiriert mich auch die künstlerische Vision der Künstler:in sehr. Bei Julian Göthe habe ich sechs Jahre lang in der Bildhauerei-Klasse an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert, und ich fühle mich seiner Arbeit als Künstler sehr nahe. Sie ist übrigens ebenfalls teilweise vom Barock geprägt. Vor allem hat mir auch seine Unterstützung in all den Jahren sehr viel für meine künstlerische Entwicklung gegeben.

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Ich freue mich besonders, wenn meine Arbeiten Überraschung auslösen – egal, ob positiv oder negativ. Wichtig ist mir, dass sie nicht gleichgültig lassen, sondern Interesse wecken und dazu einladen, genauer hinzuschauen. Auch Angst sowie Gefühle, die zwischen ästhetischem Genuss und Ekel liegen, interessieren mich dabei sehr. Wenn eine Arbeit überhaupt Emotionen auslöst, ist das für mich immer ein gutes Zeichen – dann hat sie ihr Ziel erreicht.

Ein Risiko, das ich mir (nicht) erlaube, ist…

Es ist schwer zu sagen, welches Risiko genau gemeint ist, aber ich bin definitiv für Risiko in der Kunst. Für Risiko und Herausforderung. So entsteht der schnellste Wachstumssprung.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Das war ein Video für das Ö1-Talentestipendium, in dem ich über meine Kunst gesprochen habe. So etwas hatte ich zuvor noch nie gemacht, und es hat mir sehr gut gefallen.

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Über die Witze meiner Partnerin – sie hat einen großartigen Sinn für Humor.

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