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Brecht gehört gehört
Zum 70. Todestag von Bertolt Brecht
Bertolt Brecht (1898-1956) war der bedeutendste Dramatiker deutscher Zunge im 20. Jahrhundert; provokant, links, antibürgerlich, skandalös. Nicht alle seiner an die fünfzig Stücke sind gut, doch kommt ihm kein Theoretiker des Theaters ("Verfremdungseffekt") an Bedeutung gleich. Viele seiner zweitausend Gedichte, die Brecht teilweise als Gebrauchslyrik bezeichnete, wurden vertont; manche wurden zu politischen Kampfliedern, einige gingen in die Popkultur ein.
13. August 2026, 15:10
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Ursprünglich wollte der Augsburger Bürgersohn, der Klavier- und Violinunterricht genoss und sich für Bach und Wagner begeisterte, Musikkritiker werden. Gleichzeitig inspirierten den jungen Brecht Bänkelsänger und Moritaten aller Art, die er selbst an der Gitarre zum Besten gab. Bei Karl Valentin tritt er als "Klarinettist" auf. Schon der Dichter Baal, Protagonist des gleichnamigen Stücks, schlägt den kaltschnäuzigen Ton, der zu Brechts Markenzeichen wird: "Und fragst du mich, was mit der Liebe sei? / So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern." Mit dem Stück "Trommeln in der Nacht" über Ersten Weltkrieg und Revolution verändert der Vierundzwanzigjährige 1922 laut Kritik das dichterische Antlitz Deutschlands.
"Das Erhabene wälzt sich im Staub, die Sinnlosigkeit wird als Befreierin begrüßt."
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Bertolt Brecht, 1935
"Glotzt nicht so romantisch!" fordert der deklariert linke Theaterdichter sein Publikum heraus und verführt es zugleich mit Songs über Bettler, Huren und Diebe, die bald zu Gassenhauern werden. Das reicht vom ursprünglich in der Sammlung "Hauspostille" publizierten "Alabama Song", den Kurt Weill 1927 für die Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" adaptiert, bis zur "Moritat von Mackie Messer", die als Herzstück der "Dreigroschenoper" rasch auch zum internationalen Erfolg wird.
Der Widerspruch von Popularität und revolutionärem Gestus ist nur dialektisch aufzulösen: "Die Schönheit etabliert sich auf Wracks, die Fetzen werden delikat. Das Erhabene wälzt sich im Staub, die Sinnlosigkeit wird als Befreierin begrüßt." Ab Ende der 1920er Jahre folgt Brechts intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hanns Eisler im Rahmen der Arbeitermusikbewegung. Das vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise entstandene "Solidaritätslied" wird von einem Chor aus dreitausend Stimmen aufgeführt. Zugleich interessiert sich Brecht für die neuen Medien Film und Radio: Radio müsse von Schriftstellern und Komponisten zu einer "wirklich demokratischen Sache" gemacht werden.
"Was sind das für Zeiten, wo / Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!"
Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung und dem Brand des Berliner Reichstag verlässt Brecht 1933 Deutschland. Sieben Länder des Exils folgen: Zuerst Österreich, Schweiz und Dänemark, wo "An die Nachgeborenen", eines seiner berühmtesten Gedichte, entsteht: "Was sind das für Zeiten, wo / Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!" Auf der Flucht schreibt er in Kollaboration mit Margarete Steffin die szenische Collage "Furcht und Elend des Dritten Reiches".
Über Schweden, Finnland und die Sowjetunion erreicht er am 21. Juni 1941 in Los Angeles. Am selben Tag beginnt Hitlers Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion. In seinem Arbeitstagebuch notiert Brecht: "Literatur und Kunst sehen beschissen aus, die politische Theorie ist am Ende."
"Wäre es da nicht doch einfacher, / die Regierung löste das Volk auf / und wählte ein anderes?"
In den sieben Jahren des Exils in den USA ist Brecht an unzähligen, meist unvollendeten Projekten beteiligt. Ausnahme ist die Mitarbeit am Drehbuch für Fritz Langs Film über den tschechoslowakischen Widerstand "Auch Henker sterben" (1942). Unmittelbar nach dem Verhör durch den "Ausschuss für unamerikanische Umtriebe" verlässt Bert Brecht 1947 die USA. Der dort erhobene Vorwurf der kommunistischen Propaganda setzt sich in Westdeutschland (Einreiseverbot) und in Österreich fort.
Gemeinsam mit seiner Frau Helene Weigel begibt sich Brecht nach Ostberlin, wo die Inszenierung von "Mutter Courage" zum ewigen Klassiker erstarrt. Auf den Volksaufstand vom Juni 1953 reagiert er - wie hätte es anders sein können - in Gedichtform "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. / Wäre es da nicht doch einfacher, / die Regierung löste das Volk auf / und wählte ein anderes?"
Gestaltung
- Erich Klein
