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Ö1 Jazznacht Spezial
Zum 100. Geburtstag von Saxofonist John Coltrane
Seine Musik ist heute fast noch präsenter als John Coltranes Name: Denn noch immer ist die Zahl der Tenorsaxofonisten und -saxofonistinnen Legion, deren Spiel von der Virtuosität, dem wuchtigen, vibratolosen Sound und der kraftvollen Hymnik geprägt ist, mit denen Coltrane neue Maßstäbe setzte und in den 1960er Jahren eine völlig neue, unverwechselbare Klangwelt schuf.
16. September 2026, 16:26
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Und auch die vor rund 15 Jahren aufgekommene Welle des so genannten „Spiritual Jazz“, die mit Saxofonisten und Saxofonistinnen wie Kamasi Washington, Isaiah Collier, Nubya Garcia, Shabaka Hutchings und auch der gebürtigen Wienerin Muriel Grossmann in Verbindung gebracht wird, ist im Grunde nichts anderes als eine Renaissance jener modalen Musik, deren Grundlagen das berühmte John-Coltrane-Quartett der ersten Hälfte der 1960er Jahre schuf – Musik, die vom Wechselspiel von expressiver, kathartischer Klimax und energievoller elegischer Melodik lebt und sich in weiten Spannungsbögen auf- und entlädt.
John Coltrane, geboren am 23. September 1926 in Hamlet, North Carolina, startet seiner Musikerkarriere in Philadelphia. Ab den späten 1940ern ist er Teil der New Yorker Jazzszene, arbeitet u. a. in den Bigbands von Trompeter Dizzy Gillespie und Altsaxofonist Johnny Hodges. Bekannt wird er durch das Engagement im Quintett von Trompeter Miles Davis anno 1955. Seine Drogensucht kuriert er 1957 in Eigenregie, später bezieht er sich darauf auch als spirituelles Erweckungserlebnis. Im März/April 1959 nimmt Coltrane als Teil der Miles-Davis-Band das wegweisende modale Album „Kind of Blue“ auf, dessen Musik Großteils auf dem Tonmaterial von Skalen, nicht von Akkorden basiert.
Wie von einem anderen Planeten
Auf den Aufnahmen der letzten Europa-Tournee mit Davis im Frühjahr 1960 klingt Coltrane gegenüber der übrigen Band phasenweise wie von einem anderen Planeten, so fortgeschritten ist seine eigene Klangsprache mittlerweile. In Pianist McCoy Tyner, Bassist Steve Davis (ab 1961 Jimmy Garrison) und Schlagzeuger Elvin Jones findet er die geeigneten Mitverschworenen zur Realisierung seiner eigenen, machtvollen Musik, die oft Avanciertheit und Zugänglichkeit gleichermaßen repräsentiert: Album-Meilensteine wie „My Favourite Things“ (mit dem er das Sopransaxofon im Jazz neu definiert), "‘Live‘ at the Village Vanguard“ (beide 1961) und „Impressions“ (1963) sind fixer Bestandteil der Jazzgeschichte, im Falle der berühmten Suite „A Love Supreme“ (1964) reicht die Faszination weit darüber hinaus.
Erkundungen im Territorium freier Expressivität
Die rastlose Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten treibt John Coltrane indessen immer weiter. Im Orchester-Opus „Ascension“ (1965) solidarisiert er sich mit der damals jungen New Yorker Free-Jazz-Avantgarde, mit Saxofonist Pharoah Sanders, Pianistin (und Ehefrau) Alice Coltrane sowie Schlagzeuger Rashied Ali gehen die Erkundungen im Territorium freier Expressivität weiter. Ehe Coltranes früher Tod am 17. Juli 1967 infolge einer Krebserkrankung diese so rasant vorwärtsdrängende musikalische Entwicklung jäh abbrechen lässt. Trotz des so kurzen, nicht einmal 41 Jahre dauernden Lebens erweist sich John Coltranes Musik als Werk von gewaltigem Einfluss und Nachhall – bis in die Gegenwart.
