Katakomben des Wiener Stephansdoms

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Science Arena

Gespenster, Geister und Seancen: Das okkulte Wien

Wenn sich eine Reihe von internationalen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zu einem Symposion zusammenfindet, um über das okkulte Wien zu disputieren, dann könnte man das als Widerspruch zur exakten Wissenschaft auffassen. Ist es aber nicht, denn gerade das Unfassbare, das Numinose gilt es, rational zu beforschen.

Im September 2026 passiert auf Initiative der Wiener Germanistin Christa Agnes Tuczay genau das. Die Tagung spannt einen faszinierenden interdisziplinären Bogen von Alltagsmagie, Alchemie und Geisterglauben über angewandten Mesmerismus bis zu Gespenstern aller Art. Und das in Wien, einer Stadt, die doch angeblich auch abseits von Grenzphänomenen zum Irrationalismus neigt.

Panoptikum der Abseitigkeiten

Dabei blitzen einige unbekannte Aspekte auf. Oder was wissen Sie über das antike Konzept der Apotropäik, also der Geisterabwehr, und ihrem Bezug zu den Wiener Glocken? Oder die Bedeutung der okkulten Farbe Rot bei den Schriftstellern Elias Canetti und Leo Perutz? Eher geläufig sind die Bemühungen von Maria Theresias Leibarzt Gerard van Swieten, den Vampiraberglauben im alten Österreich, hier vor allem in Mähren, einzudämmen. 1768 veröffentlichte der Aufklärer sein epochales Werk "Abhandlung des Daseyns der Gespenster: nebst einem Anhange vom Vampyrismus". Nicht umsonst wurde er zum Vorbild des Dracula-Jägers van Helsing bei Bram Stoker. Schon weniger bewusst ist uns allerdings, dass der Schöpfer des „animalischen Magnetismus“, Franz Anton Mesmer, ein Schüler van Swietens war. Bis in das Kaiserhaus reichte der Einfluss seiner Lehren. Die Familiengeschichte der Habsburger ist reich an paranormalen Phänomen – als wären die realen Geschehnisse nicht bewegt genug gewesen! Spezialvorträge widmen sich spannenden Themen wie der Herstellung von Heilmitteln mithilfe alchemistischer Laboratoriumstechnologie in Niederösterreich von 1455 bis 1613 oder der Rolle der Frauen bei spiritistischen Séancen um die vorletzte Jahrhundertwende.

Dass okkulte Vorstellungen allerdings auch in gefährliche Narreteien münden können, zeigt das Beispiel von Jörg Lanz von Liebenfels.

In den Katakomben des Wiener Stephansdoms

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Gefährliche Narren und harmlose Magier

Seit 1905 gab ein gewisser Jörg Lanz von Liebenfels (1874–1954) in Wien eine nach der heidnischen Frühlingsgöttin Ostara benannte Heftchenreihe heraus, in der er seine Ariosophie niederlegte, eine Lehre, die den Kampf der arischen Herrenrasse über die „Äfflinge“ oder „Tschandalen“ beschreibt, die in mystischer Vorzeit durch Sodomie aus der schändlichen Verbindung von höherrassigen Frauen mit pygmäenähnlichen Tieren hervorgegangen seien und in Form von Juden, Schwarzen, deren Mischlingen und anderen „Untermenschen“ bis in die Gegenwart fortlebten.

Dieser gefährliche Schwachsinn beeinflusste unter anderem den jungen Adolf Hitler, der genau zu dieser Zeit arbeitslos in Wien herumlungerte. Ich denke an ein Zitat des Wiener Soziologen August Maria Knoll, der 1951 gemeinsam mit dem Psychologen Wilfried Daim den alten Lanz noch persönlich aufgesucht hat: „Der Nationalsozialismus ist jene Bewegung, die das preußische Schwert der österreichischen Narretei zur Verfügung gestellt hat.“

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