Antonia Kallenbach

ISABELLE PAPST

Ö1 Talentebörse

Antonia Kallenbach, Viola da gamba

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten holt Ö1 junge Künstlertalente Österreichs vor den Vorhang. Im Herbst wird die Gambistin Antonia Kallenbach ihren Master mit Hauptfach Viola da gamba an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien abschließen.

Ich liebe guten Kaffee und gutes Essen, Zeit mit Freunden und Familie, lange Gespräche und gute Musik

Was ist Kunst?

Ich weiß nicht, ob der Kunstbegriff unbedingt einer Definition bedarf oder sich überhaupt adäquat mit Worten beschreiben lässt – nicht umsonst ist das eine Frage, mit der sich Menschen seit jeher, über verschieden Disziplinen hinweg beschäftigen.
Daher kommt es mir ein bisschen vor wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn ich aber versuchen müsste es zu beschreiben, würde ich aus meiner jetzigen Position heraus sagen, dass Kunst etwas ist, wo Kommunikation stattfindet, etwas, das Menschen berührt – wobei das nicht zwangsweise positiv sein muss und etwas das dort ansetzen kann, wo andere Ausdrucksmittel möglicherweise an ihre Grenzen stoßen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Wahrscheinlich durch meine Eltern. Kunst und Musik waren irgendwie immer präsent und meine Geschwister und ich wurde sehr darin unterstützt kreativ zu sein und ein Instrument lernen zu können.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Wahrscheinlich ein bisschen von allem.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

In der Elbphilharmonie Hamburg und in Asien.

Generell würde ich sagen bin ich sehr strukturiert und gut organisiert und schreibe gerne Listen für alles Mögliche, schaffe es aber gleichzeitig trotzdem irgendwie chaotisch zu sein und bin fast immer spät dran

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Es gibt so viele tolle Menschen innerhalb und außerhalb der Alten Musik-Szene, mit denen ich gerne einmal zusammenarbeiten würde, dass es mir schwer fällt Namen zu nennen.
Generell hätte ich Lust auf ungewöhnliche Kooperationen und darauf mit verschiedensten Künstler:innen zu experimentieren, neue Konzepte zu erarbeiten, die Grenzen des Instruments auszuloten und dieses unkonventionell einzusetzen.
Und ich würde sehr gerne einmal eine (Barock-) Opernproduktion in der Staatsoper Wien oder im Theater an der Wien spielen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Irgendwo etwas mehr angekommen als im Moment, ohne je still zu stehen. Entweder aktiv als Musikerin/Künstlerin oder in einem anderen Bereich und einem vielleicht ganz anderen Leben. Meistens weiß ich nicht, wo es mich als nächstes hin verschlagen wird, bisher hatte ich aber immer Glück, dass sich etwas unerwartetes ergeben hat und ich so sehr tolle Menschen kennenlernen und Erfahrungen sammeln durfte. Ich hoffe, dass es einfach so weitergeht, vielleicht mit etwas mehr Klarheit und Stabilität und etwas weniger Stress.

Haben Sie einen Plan B?

Ich weiß (noch) nicht, ob es ein Plan B oder eher ein Plan A2 ist, aber nachdem die Möglichkeiten als Gambistin rein von der Musik zu leben doch eingeschränkt sind, habe ich die letzten Jahre zusätzlich auch Kulturmanagement an der mdw studiert.
In diesem Bereich zu arbeiten, macht mir großen Spaß! Ob daraus ein richtiger Plan B wird oder ich es schaffe eine gute Balance aus Management und aktivem Musizieren zu finden, wird sich denke ich zeigen. Im Kulturmanagement würde ich auf jeden Fall am liebsten in einem künstlerischen Betriebsbüro eines Konzert- oder Opernhauses, für ein Orchester oder Ensemble oder bei einem Festival arbeiten. Vielleicht würde ich dafür auch mal ein paar Jahre aus Wien weggehen, es gibt so viele tolle Städte, in denen ich mir vorstellen könnte für einige Zeit zu leben. Es ist also im Moment alles ziemlich offen.

In meinem Umfeld würden mich viele wahrscheinlich außerdem als frech, herzlich, lustig und hilfsbereit beschreiben

Wollen Sie die Welt verändern?

Nein, ich denke das wäre zu hoch gegriffen. Auch wenn ich Musik als etwas essenzielles, mit einer enormen Kraft ansehe, so habe ich nicht den Anspruch damit die Welt verändern zu wollen.
Wenn Musik im Konzert oder auch im Wohnzimmer meiner Großeltern jemanden berührt, freut es mich unglaublich und ist das größte Kompliment, das ist aber nicht der einzige Grund warum ich Musik mache und verändert jetzt auch nicht die Welt.
Vielleicht muss Kunst das aber auch gar nicht. Vielleicht reicht es einfach etwas Emotionales, Schönes und Menschliches zu bewahren und gerade in unserem schnelllebigen Alltag einen Ort für Ruhe und echte Verbindung zu schaffen.

Übersicht