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DOSSIER, Kobuk und "Die Tagespresse" zerpflücken die Fellners
Wieder Pingpong am Boulevard
Die Recherche-Plattform DOSSIER hat einen Schwerpunkt über die Fellner-Medien und deren Methoden veröffentlicht. Mit dabei das Online-Satiremagazin "Die Tagespresse" und Kobuk, ein Medien-Watchblog. Drei kleine, aber feine und schon etablierte Medien, die fallweise auch zusammenarbeiten. Es gibt neue Erkenntnisse und alte Muster, die Österreichs Medien-Szene hinunterziehen, wie DOSSIER meint.
5. November 2026, 14:43
"Der Fall Fellner. Krawall und Korruption in Österreich" - wie der Schwerpunkt heißt - läuft natürlich online, mit einem 162 Seiten dicken von Gerhard Haderer illustrierten Heft und auf der Bühne in Kooperation mit dem Schauspielhaus. Premiere war zu Halloween im Rabenhof in Wien-Erdberg. Christoph Grissemann, der den Verleger Wolfgang Fellner imitiert wie kein Zweiter, war über ein Video auf der Rabenhof-Bühne mit dabei - und hatte die Lacher auf seiner Seite.
MARINA MARGO
An Fellner und dem, was er unter Journalismus versteht, ist DOSSIER seit zehn Jahren dran. 2016 haben sie recherchiert, dass Fellner seine Villa in Malibu über eine Briefkastenfirma in der US-Steueroase Delaware gekauft hat. Und noch einiges mehr.
DOSSIER live - Fellner live
MARINA MARGO
Was das Toxische an Fellners Methoden ist
Warum Fellner, warum verdient er so viel Aufmerksamkeit? DOSSIER-Herausgeber Florian Skrabal erklärt es so: "Ich glaube, dass die Mediengruppe Österreich, diese Art des Journalismus unter Anführungszeichen von Wolfgang Fellner tatsächlich die österreichische Medienlandschaft prägt. Im negativen Sinne." Da gehe es etwa um Schleichwerbung, also nicht gekennzeichnete Werbung, die in Österreich eigentlich illegal und damit verboten sei. Dort gehöre das zum Geschäftsmodell, Fellners Mediengruppe gehe mit schlechtem Beispiel voran, verschiebe ethische Grenzen, so Skrabal. "Und das ist das Toxische an dieser Mediengruppe Österreich."
Ethische Grenzen, die sind auch im Zuge der Inseratenkorruptions-Affäre rund um Fellner, die Verlegerfamilie Dichand und Ex-Kanzler Sebastian Kurz von der ÖVP überschritten worden. Die Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft ist seit 2021 dran, kann de facto aber erst seit einem Jahr richtig ermitteln und auswerten, was beschlagnahmt worden ist. Fellners Anwälte haben alle Register gezogen.
DOSSIER live - Fellner live: Florian Skrabal
MARINA MARGO
"Bestüberwachtes" Verfahren zu Inseratenaffäre
Das sei auch in Ordnung, sagt Skrabal. "Martin Ortner, Pressesprecher der WKStA, hat mir gegenüber im Interview gesagt: Das ist das bestüberwachte Strafverfahren. Und ich denke tatsächlich, dass es so ist, weil es natürlich dieses mediale Interesse gibt, weil viele Medien drauf schauen und viele Medien auch darüber berichten." Und natürlich weil die Beschuldigten Rechtsmittel einlegen. "Im Sinne unserer Demokratie ist es entscheidend, dass hier alles ordentlich abläuft. Es geht immerhin um einen ehemaligen Bundeskanzler."
Bestüberwacht, das heißt auch, dass alle Ermittlungsschritte ab den Hausdurchsuchungen im Kanzleramt, bei der ÖVP und bei Fellner von den Oberbehörden überprüft und für rechtmäßig befunden worden sind. Die Fellner- und Dichand-Medien haben dennoch immer wieder das Gegenteil behauptet. Es geht auch um viel für sie, es sind hunderttausende Euro Steuergeld geflossen und die Umstände sind sehr aufklärungsbedürftig.
Reichweiten-Optimierung mit rechtem Influencer
Fellner hat sich, wie DOSSIER in seinem aktuellen Schwerpunkt aufgedeckt hat, auch einer Methode bedient, mit der die "Kronen Zeitung" vor Ibiza - als man noch gut Freund mit dem damaligen FPÖ-Obmann Strache war - gut gefahren ist. Klicks für die Krone durch Pingpong mit der Strache-Facebook-Seite, das war damals das Ding.
Heute sind es Klicks für Fellners oe24.at durch Pingpong mit der Facebook-Seite des rabiat-rechten Influencers mit FPÖ- und BZÖ-Vergangenheit, Gerald Grosz. "Das Magazin DOSSIER, dessen Existenz mir bis heute nicht bekannt war, ist einer großen Verschwörungstheorie auf der Spur" - so, mit einem schnellen Video aus dem Auto, hat Grosz auf seinen Social Media Kanälen auf die Recherche reagiert.
"Inwieweit sich die Teilungen für euch auszahlen"
Doch DOSSIER hat Chats, die belegen, dass das Pingpong mit Chefredakteur und Geschäftsführer Niki Fellner besprochen war. In einer Nachricht an einen oe24-Redakteur schreibt Grosz: "Morgen rede ich mit Niki. Bitte sei so lieb und berichte ihm, ob und inwieweit sich die Teilungen auf meiner Seite für euch ausgezahlt haben." Dazu schickt er Screenshots der oft hetzerischen oe24-Artikel, die er mit seinen mehr als 400.000 Fans auf Facebook geteilt hat.
Auf Anfrage von #doublecheck will Gerald Grosz dazu nichts sagen. Er schicke vielen Journalisten von vielen Medien Hinweise, was vielleicht eine Geschichte sein könnte. Auch ORF-Journalisten. Das werde auch immer wieder einmal verwertet, und er teile das dann auf seinen Kanälen. Nach konkreten Beispielen für den ORF und andere gefragt, weicht Grosz aus.
Kranker Minister: Grenzüberschreitung im oe24-Studio
Faktum ist, dass Grosz - mit seiner brachialen Art auch ein gern gesehener Redner bei AfD-Veranstaltungen in Deutschland - bei Fellner aus und ein geht, er sitzt dort Woche für Woche im Studio und streitet mit irgendwem. Und da sagt er dann Sachen wie diese über den krebskranken Finanzminister: "Ihm Gesundheit zu wünschen bedeutet, dass er das Schlimmste noch vor sich hat - dagegen war der Krebs a Lercherl - nämlich den SPÖ-Vorsitz. Ich möcht es nur sagen bei der Gelegenheit. Der SPÖ Vorsitz ist - na wenn ichs mir aussuchen könnt, dann hau ich mich gleich in die Onkologie, bevor ich dort anstreife."
Mehr als ein "Gerald, komm" ist dem Moderator Niki Fellner bei dieser Grenzüberschreitung von Grosz nicht eingefallen. Der junge Fellner ist mittlerweile der Chef in der Verlagsgruppe Österreich, sein Vater Wolfgang Fellner hat sich in Folge der Inseraten- und Umfrage-Affäre und der Belästigungsvorwürfe von Mitarbeiterinnen gegen ihn zurückgezogen, Herausgeber ist er noch. Sein Sohn gilt als umgänglicher.
Wie weit ist der Apfel vom Stamm gefallen?
Florian Skrabal hat von Ex-Mitarbeitern anderes gehört, wie er berichtet: "Ich habe tatsächlich aus den Hintergrundgesprächen und Interviews, die wir mit ehemaligen und aktiven Mitarbeiterinnen der Mediengruppe Österreich geführt haben, einen anderen Eindruck gewonnen, nämlich dass Nikolaus Fellner sehr nach seinem Vater Wolfgang Fellner kommt und dass er auch wirklich cholerisch sein kann und ausfällig werden kann, und auch diesen Druck an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergibt. Also insofern würde ich sagen, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm."
Wir wollten mit Nikolaus - genannt Niki - Fellner darüber und über die Gerald-Grosz-Tangente reden, doch er hat auf wiederholte Versuche von #doublecheck, Kontakt aufzunehmen, nicht reagiert.
