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"Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen". Hommage zum 80. Geburtstag des Theologen, Philosophen und Autors Adolf Holl. Von Eva Schobel
8. Mai 2010, 09:05
Als der frischgebackene Priester Adolf Holl im Jahr 1954 seine erste Messe las, war das der glücklichste Moment seines Lebens. Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde er durch den Wiener Erzbischof Kardinal König vom Priesteramt suspendiert.
Auslöser war das kontroversiell diskutierte Buch "Jesus in schlechter Gesellschaft", in dem Jesus als Außenseiter dargestellt wird, als Freund der Armen und Missachteten. Als Mensch und keineswegs als Gottes Sohn. Als Mann, der mit Sicherheit keine institutionelle Religionsgemeinschaft gründen wollte und der gar nichts mit den von Kirche hochgehaltenen familiären Werten am Hut hatte. Thesen, die damals von vielen Theologen geteilt wurden. Aber durfte man das öffentlich sagen?
Holl fühlte sich der Wahrheit verpflichtet. "Lüg nicht, Bubi", hatte ihn seine geliebte Ziehgroßmutter gelehrt, das war das wichtigste Gebot. Also log er nicht, als der Kardinal von ihm wissen wollte, ob er an Gott, die Auferstehung von den Toten und die Gottessohnschaft von Jesus glaube, und äußerte seine Zweifel. Fortan musste er als Priester ohne Amt und Würden weiterleben.
Er lehrte an der philosophischen statt an der theologischen Fakultät, schrieb unzählige Bücher und wurde einer der beliebtesten Moderatoren der legendären Diskussionssendung "Club 2". Dass er keine Messe mehr lesen darf, schmerzt ihn aber bis heute.
Die Autorin, Dr. phil. Eva Schobel, ist freie Literaturwissenschafterin und Journalistin, u. a. für "Die Presse", die "Süddeutsche Zeitung" und den ORF. Sie hat Albert Drach in seinen letzten Lebensjahren regelmäßig interviewt, seinen Nachlass im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek aufgearbeitet und ist Mitherausgeberin der Drach-Werkausgabe.
Service
Die aktuellen Bücher von Adolf Holl, zuletzt das Adolf-Holl-Brevier, sind im Residenz-Verlag erschienen, die Interview-Biografie "Der erotische Asket" von Anita Natmessnig bei Molden.
Adolf Holl
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- Eva Schobel
