Gedanken für den Tag
"Über das Glück" von Emmanuel J. Bauer
4. Juni 2010, 06:57
Emmanuel J. Bauer ist Philosoph in Salzburg.
Glücklich zu sein, ist wohl das tiefste und umfassendste Verlangen des Menschen. Alles, was wir sind, denken, fühlen und tun, schöpft im Letzten aus dem erhofften Glück seine Dynamik und Orientierung. Ist jeder selbst seines Glückes Schmied? Dieser Frage widmet sich der Philosoph Emmanuel J. Bauer.
Glück ist wohl nicht machbar, aber es hängt doch wesentlich von den Dispositionen ab, die wir durch unsere Haltungen und Aktivitäten herstellen. Umgekehrt wird das Glück aber auch durch gewisse Persönlichkeitsprägungen, Mentalitäten und internalisierte Wertmaßstäbe, die unser Denken, Handeln und Fühlen bestimmen, gehemmt oder gar blockiert.
Eine der hinderlichen Glücksblockaden ist die maligne, überzogene narzisstische Selbstsorge. Getrieben von der Unsicherheit hinsichtlich des eigenen Selbstwerts und dem mangelnden Gefühl, so selbst sein zu dürfen, wie es dem eigenen Sein und Wollen entspricht, orientiert sich der narzisstische Mensch vorwiegend am Außen und versucht sich durch Leistung vor sich und anderen die Anerkennung zu sichern. Authentizität wird durch Selbstinszenierung ersetzt. Statt andere um ihrer selbst willen zu lieben und sich Herausforderungen aus ehrlichem Interesse zu widmen, werden diese zentrale Bereiche des eigenen Lebens verzweckt und damit ihres Glückspotentials beraubt.
Um Glück erleben und leben zu können, sind demgegenüber zwei existentielle Dispositionen hilfreich:
Zum einen sollte die Grundlage des Glücksstrebens das Motto sein, den eigenen Möglichkeiten gemäß zu leben, d.h. die eigene Realität und die eigenen Grenzen zu respektieren und sich nicht zu überfordern. In diesem Bereich ist das aktuell, was Lebenszufriedenheitskompetenz meint.
Zum anderen ist es für den Einzelnen unverzichtbar, das Je-Eigene (das, wozu man sich berufen fühlt) zu entdecken und mit Entschiedenheit und Hingabe zu verwirklichen.
Unter Berücksichtigung dieser beiden Dispositionen, d.h. in der Mitte zwischen Über- und Unterforderung, zwischen Angst und Langeweile - kann man im besten Fall selbstvergessen ganz aufgehen in seinen Tätigkeiten. Die Psychologie sagt: Man erreicht den "flow"-Zustand (M. Csikszentmihalyi). Unter diesen Bedingungen, wo der Mensch sein Leben lebt, kann sich tiefes existentiell-personales Glück einstellen.
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