Gedanken für den Tag
"Über das Bereit-Sein" von Veronika Prüller-Jagenteufel
22. Oktober 2010, 06:57
Veronika Prüller-Jagenteufel ist katholische Theologin und Seelsorgerin.
Manche Menschen sind für Geld oder auch aus Liebe zu - fast - allem bereit. Manche scheinen ohne Bezahlung für nichts zu haben zu sein. Gibt es heute noch so etwas wie Bereitschaft, gar Dienstbereitschaft - außer, es hat jemand eben im Job Bereitschaftsdienst?
Wer bereit ist, hat sich bereitet. Ich bin bereit, sagt, wer ein Amt, eine Aufgabe übernimmt. Aber sind auch alle, die Ämter übernehmen, entsprechend vor-bereitet?
Die Texte spielen mit den Worten und tasten nach einer der vielen scheinbar seltener werdenden Tugenden: der Bereitschaft, sich anderen zur Verfügung zu stellen. Wie kann diese Tugend heute neu geübt und dabei vor Ausbeutung und Missbrauch geschützt werden?
Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer
"Was schief gehen kann, geht schief." Oder konkreter: "Die Schlange, bei der ich mich anstelle, ist immer die langsamere." Oder: "Der Drucker spinnt immer dann, wenn ich es besonders eilig habe." Augenzwinkernd werden solche "Erfahrungen" unter Anführungszeichen als "Murphy's Gesetze" weitergegeben - eine köstliche Sammlung für alle, die sich inmitten des üblichen Alltagspessimismus ihren Humor bewahrt haben.
Wenn ich wahrnehme, dass sich eine solche negative Erwartungshaltung im Ernst bei mir einschleicht, dann ist es höchste Zeit, wieder einmal eine Pause einzulegen, mich zu entspannen und auf die Suche nach innerer Balance zu gehen.
Beim Nachdenken über das Bereit-Sein, über die großartige und doch irgendwie heutzutage sperrige menschliche Möglichkeit, sich für andere verfügbar zu halten, ist mir wieder klar geworden, dass das zusammenhängt: Die negative Erwartungshaltung, die überall das Schiefgehen schon voraussieht, und eine misstrauische Verschlossenheit gegenüber anderen Menschen - und umgekehrt eine gelassene, humorvolle, vertrauensvolle Lebenshaltung und die Bereitschaft, auf andere zuzugehen und ihnen zu helfen.
Wenn ich innerlich einigermaßen im Gleichgewicht bin, sehe ich mehr Schönes, kann ich Hinderliches leichter ertragen und das Leben insgesamt mehr genießen. Und: Ich habe dann auch mehr Kraft und Lust auf andere Menschen und bin bereiter, mich von ihnen in Anspruch nehmen zu lassen.
Bereit sein, heißt also nicht, mich so auszupowern, dass ich den inneren Halt verliere. Es hat eher damit zu tun, auch bereit zu sein für die Schönheit des Lebens, für jede kleine Überraschung, für die Geschenke des Augenblicks.
Wer bereit sein will, berechnet sein Tun eben nicht und geht nicht nach Murphy's Gesetzen vor, sondern vertraut dem Leben. Mir hilft dabei, dass ich glaube, dass Gott das Leben trägt und hält - auch meines.
Service
Wenn Sie diese Sendereihe kostenfrei als Podcast abonnieren möchten, kopieren Sie diesen Link (XML) in Ihren Podcatcher. Für iTunes verwenden Sie bitte diesen Link (iTunes).
