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Gruppen der Macht - von G7 bis BRICS+ (2)

Der kurze Traum einer unipolaren Welt - von G8 bis G20

Nach dem Zerfall der Sowjetunion scheint es einen Moment, als hätte sich der Westen mit seinen liberalen Demokratien, dem freien Markt und der globalisierten Ökonomie durchgesetzt. Zumal sich gleichzeitig auch China in den Internationalen Handel einklinkt und Mitglied der WTO wird. Die Zukunft - so denkt man - sei eine unipolare Welt. Das zukünftige Russland soll ein Partner und kein Gegner sein. 1997 werden die G7 also offiziell zur G8. Auch die G8 bleibt ein informelles Forum ohne Entscheidungsgewalt. Es gibt keinen Vertrag, keine Satzung und keine verbindlichen Regeln. Viele finden, dass die Gruppe dafür zu viel Macht hat. Der globale Süden bleibe auf der Strecke. Und jetzt organisieren sich auch die Globalisierungsgegner international: Hunderttausende kommen zum G8 Gipfel in Genua 2001. Die Straßenkämpfe eskalieren. Der italienische Student Carlo Giuliani wird von Polizisten erschossen, mehrere hundert Menschen werden verletzt und tausende verhaftet. Dafür wird die italienische Polizei später vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt.

Die Asienkrise 1997 und der russische Staatsbankrott 1998 machen deutlich, dass die G8 die Globalisierungsdynamik am Finanzmarkt selbst unterschätzt haben und nicht mehr in der Lage sind, die globale Wirtschaft allein stabil zu steuern. Vor allem, weil das Wirtschaftswachstum der großen Schwellenländer die ökonomischen Machtverhältnisse neu definiert. Selbst die Weltbank und der Internationale Währungsfonds drängen darauf, große Schwellenländer in den Entscheidungsprozess über wirtschaftspolitische Maßnahmen mit einzubeziehen, um weitere Weltfinanzkrisen zu verhindern. So wird die informelle Gruppe der 20 gegründet. Zusätzlich zu G8 - und nicht anstatt. Die G20 ist zunächst nur die Gruppe der Finanz- und Wirtschaftsminister. Erst ab 2008 - nach der Weltfinanzkrise, ausgelöst von der Pleite der US Bank Lehmann Brothers - werden die G20 Gipfel auf der Ebene der Staatsoberhäupter abgehalten.

2014, nach Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, wird die G8 wieder zu G7. Der G7 Anteil der Weltbevölkerung liegt dann bei ca. 12% und die Weltwirtschaftsleistung der Gruppe ist seit den 1990igern um 20% gesunken. Auf nicht einmal 50%. Der Grund ist das Erstarken der Schwellenländer. China wächst in dieser Zeit zur zweitgrößten Wirtschaftskraft heran.

Autorin: Dagmar Streicher

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