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Punkt eins
Konfliktraum Ostsee
Die Ostseeregion: Urlaubsparadies, Wirtschaftsfaktor und sicherheitspolitisches Spannungsfeld. Gäste: Prof. Dr. Margit Bussmann, Interdisziplinäres Forschungszentrum Ostseeraum an der Universität Greifswald & Dr. Tobias Etzold, Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Nordeuropa. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
9. Juni 2026, 13:00
Helle Sandstrände, Dünenlandschaften und felsige Küsten. Wasser in allen Schattierungen zwischen leuchtend blau und dunkelgrau. Die Ostsee ist gerade im Sommer ein Erholungsort für Anrainer:innen wie für Tourist:innen. Ein Idyll, das in mehrfacher Hinsicht zu bröckeln scheint. In den vergangenen Jahren - seit dem Krieg in der Ukraine - sehen sie vermehrt russische Militärschiffe, berichten etwa Bewohner:innen der baltischen Staaten. Auch Störungen des Luftraums sind zur Gewohnheit geworden, heißt es.
Im Mai stürzten zwei ukrainische Drohnen über Lettland ab, eine davon traf ein Öllager im Osten des Landes. Ein NATO-Kampfjet schoss über Estland eine Drohne ab. In den Monaten davor waren immer wieder verirrte Drohnen über den baltischen Staaten abgestürzt. Die dortigen Regierungen gehen davon aus, dass die Drohnen von russischer Seite umgeleitet wurden.
Unterstützung für die Sicherung des Luftraums erhalten die baltischen Staaten von der NATO. Anfang Juni fingen französische Kampfflugzeuge russische Militärmaschinen über der Ostsee ab. Seit 2017 - als Reaktion auf Russlands Annexion der Krim im Jahr 2014 - verstärkt die NATO ihre Präsenz in der Ostseeregion. In der Luft, auf See und auf dem Boden. Vor wenigen Tagen begann in Schweden und Finnland die neue Einheit "Forward Land Forces Finland" mit ihren Operationen. Finnland und Schweden, ehemals traditionell neutrale Staaten, traten aufgrund des Angriffs Russlands auf die Ukraine in den Jahren 2023 und 2024 der NATO bei.
Nicht nur unter den Zivilist:innen im Ostseeraum habe sich das Sicherheitsgefühl verändert. "Wir sind auf der Ostsee nicht mehr so sorglos unterwegs, wie wir es vor Jahren noch waren", berichtet die Kommandeurin eines deutschen Minensuchgeschwaders in einer Fernsehreportage. Was früher als reine Übung galt, habe nun eine andere Ernsthaftigkeit. Die Bedrohung sei real.
Vor diesem Hintergrund findet derzeit die jährlich größte Marineübung der NATO in der Ostsee statt. Mehr als 30 Einheiten und rund 6.000 Soldaten aus 15 Ländern beteiligen sich an dem Manöver, das den Titel "Baltops - Baltic Operations" trägt und von 4. bis 19. Juni stattfindet. In diesem Zeitraum gilt für die zivile Schifffahrt ein Sicherheitsabstand von einem Kilometer zu allen Marineschiffen.
Die Ostsee, ein Binnenmeer, zählt zu den verkehrsreichsten Seegebieten. Durch sie verläuft auch ein dichtes Netz an Daten- und Stromkabeln sowie Pipelines, die immer wieder ins Visier von Sabotageakten geraten. Nicht nur wichtige Infrastruktur verbindet die Anrainerstaaten der Ostsee: auch eine gemeinsame Verantwortung für ein einzigartiges und gleichzeitig sensibles Ökosystem, sowie Zusammenarbeit in der Forschung, Kultur und Wirtschaft.
Über Verbindendes und Trennendes in der Ostseeregion spricht Marina Wetzlmaier mit dem Politikwissenschaftler Tobias Etzold, der zu den Themen Nordeuropa und regionale Ostseezusammenarbeit forscht, und mit Margit Bussmann, Professorin für Internationale Beziehungen und Regionalstudien an der Universität Greifswald. Am dortigen interdisziplinären Forschungszentrum Ostseeraum leitet sie das Projekt "Sicherheitsarchitektur im Ostseeraum". Am 10. Juni werden unter Beteiligung der Uni Greifswald die "Ostseetage" eröffnet, eine Konferenz, organisiert vom Land Mecklenburg-Vorpommern.
Wie hat sich die geopolitische Rolle der Ostseeregion verändert? Wie reagieren die Anrainerstaaten auf die aktuellen Rahmenbedingungen? Welche Formen der regionalen Zusammenarbeit gibt es? Entscheidet sich dort die Zukunft Europas?
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