Gedanken für den Tag
"Sein besonderes Leben" - Zum 100. Todestag von Henry Dunant. Von Ines Knoll
27. Oktober 2010, 06:57
Ines Knoll ist evangelische Pfarrerin.
Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 in Genf als Sohn eines Kaufmannes geboren, der ihm schon sehr früh Weltoffenheit vermittelte. Seine Mutter hielt auf eine streng protestantische Erziehung und weckte in ihm das Interesse für die Benachteiligten und Schwachen; so half er Armen, besuchte Kranke und Gefängnisinsaßen und war Mitglied der sogenannten "Almosen Liga". In Solferino wurde Henry Dunant am Abend des 24. Juni 1859 Zeuge einer wüsten Schlacht zwischen den Truppen der Österreicher und den verbündeten Heeren der Italiener und Franzosen. Dort standen sich 300.000 Soldaten gegenüber.
Genau dieses Erlebnis sollte der Auslöser für ein weltweit vernetztes Hilfswerk, das "Rote Kreuz", bzw. später auch der "Rote Halbmond" werden. Als Höhepunkt einer Menge von Auszeichnungen und Ehrungen erhielt Dunant für sein Lebenswerk 1901 den ersten Friedensnobelpreis. Er starb am 30. Oktober 1910 im Alter von 82 Jahren in der Schweiz. In der Woche vom 25. bis zum 30. Oktober spricht Ines Knoll über sein Vermächtnis.
Vor 100 Jahren ist Henry Dunant gestorben. Als der Schweizer 1859 im Zuge einer Geschäftsreise Zeuge der Schlacht von Solferino wird, organisiert er zutiefst erschüttert die notdürftige Versorgung der schwer verletzten Soldaten. Seine Erfahrungen führen schließlich zur Gründung des "Roten Kreuzes" - und inspirieren so manche Künstlerin.
Es ist das 13. Bild: Der Unfall. Es ist das einzige Bild der Frida Kahlo, das es darüber gibt. Unter all den bunten Bildern ist es jenes, das dem Auge fast entschwindet. Beinahe ginge man vorüber. Wie im wahren Leben. Es ist eine Schwarz-Weiß-Zeichnung.
Wer kann sich ausmalen, was das bedeutet? Bild einer Ausstellung dessen, was einem Menschen passieren kann. Jeden Tag. Was - Gott sei Dank - nicht geschieht, aber wenn doch. Der Unfall: Die Ausnahme des Schreckens, seine Wahnsinns-Dominanz, Atemstocken, Schmerzangst, Vergehen, Schrei, und etwas, das total still wird in dem einen verletzten Menschen. Passanten vielleicht.
Das Bild trägt die Inschrift jenes Tages, an dem es geschah. Auf einer Trage liegt das Unfall-Opfer - vorne im Bild rückt es dem Auge des Betrachters auf den Leib. Auf den Haltegriffen steht geschrieben, wer sich kümmert um den geschundenen Körper: "Rotes Kreuz". In zarter grau-schwarzer Schrift: Cruz Rosa.
Dass einer kommt und Dich fort trägt aus dem Unglück. Dass dies sein kann, ist das Wunder danach. So viele Male auf der Welt: Das Wunder danach! Dieses Immerhin. Wenigstens hebt Dich jemand heraus. Flügel unsichtbar und eine schwebende Hoffnung, ja - auch den Umstehenden inwendig. Und mir als Betrachterin und Dir als Betrachter. Der Anfang ist im Bild gefeiert und ein Dank für die Hände, die Menschen fort tragen vom dunklen Ort des Geschehens. Ein Dank an die Helfer in dieser Welt - ohne große Worte - vielleicht ohne ein Wort überhaupt.
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