Gedanken für den Tag

"Liebe wächst in Alltagsritzen". Von Christine Hubka

Christine Hubka ist evangelische Theologin, Pfarrerin i. R. und Schriftstellerin.

Rote Rosen und Lebkuchenherz sind mögliche Zeichen für Liebe. Es kann aber auch Liebe sein, wenn der große Bruder zum kleinen sagt: "Du darfst ganz lange nicht mehr in mein Zimmer kommen." Denn Liebe treibt bunte Blüten.
Am Valentinstag und an den darauffolgenden Tagen erzählt Christine Hubka Alltagsgeschichten, die - vielleicht erst auf den zweiten Blick - von der Liebe handeln. Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer.

Angst frisst Liebe auf. Wie oft hat das der Bischof Valentin wohl erlebt, als er im 3. Jahrhundert gegen den Willen des heidnischen Kaisers Claudius christliche Brautleute heimlich gesegnet hat. Es waren einsame Hochzeiten: Die Freunde des Paares, oft sogar die Familien, die kaisertreu und heidnisch geblieben waren, die Nachbarinnen und Nachbarn, konnten nicht an der Segnung teilnehmen. Ja, sie durften nicht einmal davon wissen. Statt strahlender Freude, zitterndes Lauschen, ob die römischen Häscher nicht schon an der Türe stehen.

Angst frisst Liebe auf. Aber überraschende Freude vertreibt die Angst. Und so erzählt die Legende, dass Bischof Valentin den verängstigten Brautleuten nach der heimlichen Segnung Blumen aus seinem Garten schenkte. Ein kleine Überraschung, die dem liebenden Paar sagte: Lasst eure Liebe blühen. Trotz allem. Lasst euch nicht unterkriegen, weder von den politischen Verhältnissen. Noch von den Schwierigkeiten, mit denen ihr leben müsst. Vielleicht sagte Valentin mit den Blumen auch: Lasst eure Liebe sogar in den Ritzen des Alltags wachsen und Blüten treiben.

Es müssen nicht immer Blumen sein, die Liebe, Zuneigung, Respekt und Anerkennung ausdrücken. In Finnland verschickt man zum Valentinstag kleine anonyme Grüße, mit freundlichen, anerkennenden, wertschätzenden Worten. Und weil die Empfängerinnen und Empfänger nicht wissen, wer hinter dem Lob, hinter der Anerkennung steht, kann man sich daran erfreuen, ohne fürchten zu müssen, dass der Absender sich einschmeicheln will.

Liebe bläht sich nicht auf, und bleibt bei dem, was sie tut, gern auch einmal unerkannt.

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