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matrix - computer & neue medien

1. Mythos MIT. Ein Rundgang durch das "Massachusetts Institute of Technology". Gestaltung: Nicole Dietrich
2. "The Mongoliad". Kollaboratives Schreiben im Netz. Gestaltung: Julia Gindl

1. Mythen haben Kraft. Als unterschwellige Erzählung binden sie Gesellschaften und stützen Einrichtungen. Am MIT, dem Massachusetts Institute of Technology im US-amerikanischen Cambridge, eine Brückenlänge von Boston entfernt, versteht man den hauseigenen Mythos sponsorentauglich anzufeuern. Hier werden Geniestreiche von pickeligen post-adoleszenten Nerds vollbracht und Nobelpreisträger gezüchtet. Das MIT ist ein Kind des Krieges, groß geworden mit der Entwicklung des Radars, der NASA, dem Internet und der Chemotherapie.

Aber auch Erfindungen wie die Holographie, sensitive Roboter oder Harold Edgertons fotografische Fixierung des Aufpralls eines Milchtropfens gehören zum Innovationskapital, das ein Noam Chomsky krypto-anarchistisch kommentieren darf, denn hier setzt man obendrein auf Transparenz und den Open-Source-Gedanken als übergeordnetes Prinzip für die Geburt jeder Idee. Geteilt wird auch mit den Medien das Selbstbild.

Ein Rundgang durch das MIT Media Lab, das sich seit April 2010 in neuem architektonischen Mantel präsentiert, ein Rundgang durch die Zukunft bzw. das, was als Zukunft verkauft wird.

2. Das Internet bietet nicht nur neue Vertriebswege für Bücher und die Möglichkeit, über Plattformen wie lovelybooks.de gemeinsam Bücher zu lesen. Es öffnet auch neue Wege für das Schreiben von Büchern. Einen davon haben der Autor Neal Stephenson und sein Team eingeschlagen, das interaktive Schreiben.

Es ist ein Experiment im Geschichten erzählen; nicht ein Einzelautor erzählt, sondern eine Community, die über das Web miteinander kommuniziert und arbeitet. "The Mongoliad" nennt sich das Online-Werk von Stephenson und seinen Co-Schreibern. Es ist ein Mittelalterroman in Fortsetzungen, in dessen Zentrum vergessene europäische Kampftechniken stehen - und jede Menge Charaktere. Schriftsteller/innen und Leser/innen kreieren gemeinsam eine fiktive Welt, zu der es Videos, Bilder, eine Art Wikipedia und ein Diskussionsforum gibt. Das alles findet auf der dafür eigens gegründeten E-Publishing-Plattform "Subutai" statt.

Über die Schwierigkeiten beim Schreiben im Bulk und wie man sich in einer interaktiven Fantasy-Welt zurecht findet, berichtet Julia Gindl.

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