Digital.Leben

1. "Create Your World". Gestaltung: Roland Gratzer
2. Digital.Scheitern. Kolumne von Franz Zeller
Redaktion: Franz Zeller

1. Gestern hat in Linz die Ars Electronica begonnen. Wie immer sehr gemächlich, noch scheint das Festival im Schlummer.

Bis nächsten Mittwoch dreht sich in den verschiedenen Locations alles um das Thema "Origin - wie alles beginnt." Daneben gibt es auch noch die Veranstaltungsreihe "Create your world", ein Festival im Festival sozusagen. Direkt an der Donau ist eine Zelt- und Wohnwagenstadt entstanden, in der gebastelt, gespielt und gekocht wird. Roland Gratzer hat einen kleinen Rundgang gemacht.

2. Die Nutzung von Technologie hat ja ab und zu etwas Quasireligöses. Es geht einfach nicht ohne Vertrauen und Glauben an Schaltkreise, die ständig unsichtbar bleiben. In diesem Sommer wurde dieser mein Glaube - wieder einmal - stark erschüttert. Hier nur drei Beispiele - es begann mit Zeitschaltuhren. Sie hatten allesamt ein großes Manko: sie schalteten immer nur ein, nie aus.

Danach versuchte ich mich online für ein Studium an der Universität Wien anzumelden: Die Software scheint so angelegt, dass sie Bildungswillige durch elektronische Demütigung abzuschrecken versucht. Eine zugegebenermaßen originelle Art, die Studentenzahlen an den Unis zu senken. Und kein Einzelfall. Die ÖH hat dokumentiert, dass die elektronischen Anmeldeverfahren auch in Linz und anderen Universitäten etwas Schikanöses an sich hatten.

Oder vielleicht hat die Software jener reisweinsüchtige Chinese geschrieben, der auch meinen neuen Rasenmäherroboter programmiert hat. Der Roboter sieht schnuckelig aus, wie eine kleine grüne Schildkröte, und schert sich in etwa so viel um Grenzen wie ein schwer erziehbares Kind. Mit Genuss hat er sich zum Beispiel in die Rudbeckien gestürzt - Anlass für einen kleinen Familienzwist, weil die Blumen bei meiner Liebsten ressortieren.
Außerdem findet der Roboter nie zu seiner Ladestation zurück, sondern bleibt meist irgendwo erschöpft in der Wiese liegen. Meine Frau hat beschlossen, sich als Rache für den Roboter ein halbes Dutzend Paar Schuhe zu kaufen, denn die würden wenigstens immer gehen.

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