Radiokolleg

Radiokolleg - Tabuzone Tod

Selbstbestimmt Abschied nehmen (4). Gestaltung: Judith Brandner

Die Wahl von Art und Zeitpunkt des eigenen Todes - was für die einen Selbstbestimmung und die einzige, letzte Freiheit in einer alles kontrollierenden Gesellschaft ist, ist für die anderen eine Sünde: was Gott gegeben hat, darf nur Gott nehmen.

"Was den freiwilligen Tod betrifft: Ich sehe in ihm weder eine Sünde noch eine Feigheit. Aber ich halte den Gedanken, dass dieser Ausweg uns offen steht, für eine gute Hilfe im Bestehen des Lebens und all seiner Bedrängnisse", schrieb der Deutsch-Schweizer Schriftsteller Hermann Hesse. Der Schweizer Verein Exit hat dieses Zitat auf seine Homepage gestellt. Selbstbestimmung - im Leben wie im Sterben, das ist das Motto des 1982 gegründeten Vereins. Suizidbeihilfe ist in der Schweiz legal, in Österreich jedoch strafbar.

Suizid ist ein häufiges Thema in der Literatur; und viele Künstler/innen haben für sich selbst diesen Weg gewählt - man denke an Jean Amery, Yukio Mishima oder auch den österreichischen Maler Julius Mende. Seine Witwe, Bärbel Danneberg, brauchte Jahre, um danach selbst wieder ins Leben zurückzufinden. In ihrem Buch "Eiswege" beschreibt sie den Schmerz einer Angehörigen, deren Partner den selbstbestimmten Tod gewählt hat.

In Österreich gibt es die Möglichkeit der Patientenverfügung: damit kann man bestimmte medizinische Behandlungen vorweg ablehnen, für einen Fall, in dem man sich selbst nicht mehr äußern kann. Arzt und Angehörige sind an diesen Willen gebunden. Das kann bedeuten, dass lebenserhaltende Maschinen abgeschaltet werden.

Service

Amery, Jean: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod. Klett-Cotta 1979
Dachverband Hospiz Österreich: Hospizkultur und Palliative Care im Pflegeheim - Mehr als nur ein schöner Abschied.
Danneberg, Bärbel: Eiswege. Nach dem Suizid des Partners zurück ins Leben. Promedia 2012
Friess, Michael: Wie Sterben? Zur Selbstbestimmung am Lebensende.
Gütersloher Verlagshaus 2012
Halifax, Joan: Im Sterben dem Leben begegnen. Mut und Mitgefühl im Angesicht des Todes. Theseus 2012
Wehrli, Sutter, Kaumann: Der organisierte Tod: Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Lebensende. Orell Füssli, 2012
Willemsen, Roger: Der Selbstmord. Fischer TB 2007
Wunder, Michael: Die alte und die neue Euthanasiediskussion: Tötung auf wessen Verlangen. Picus, 2013

PatientInnenanwaltschaft:
Telefon: +43 1 587 12 04 - Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr
Kostenlose Pflegehotline: 0800 20 31 31

Beratungsstelle der Rote Anker für Kinder und Jugendliche, die dem Tod begegnen:
01-71753-3220
E-Mail

Patientenanwaltschaft
Kriseninterventionszentrum Wien
World Suicide Prevention Day
Wiener Werkstätte für Suizidforschung
Österreichische Gesellschaft für Suizidprävention
Österreichischer Suizidpräventionsplan (SUPRA)
Dachverband Hospiz Österreich
E-Mail
Patientenverfügung
Caritas Socialis
Empfehlungen der Bioethikkommission vom 27. Juni 2011
Barrierefreie Version
Exit
Dignitas

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