Im Gespräch

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"Leben wir nicht auf Kosten anderer"
Michael Kerbler spricht mit Harald Welzer, Sozialpsychologe, Gründer von FUTUREZWEI

Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Häuptling seinem Enkel folgende Legende: "Mein Sohn, in jedem von uns tobt der Kampf zweier Wölfe. Der eine Wolf ist böse. Er besteht aus Ärger, Neid, Eifersucht, Sorge, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Missgunst, Minderwertigkeit, Lügen, falschem Stolz und Egoismus. Der andere Wolf ist gut. Er ist voller Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Güte, Wohlwollen, Mitgefühl, Großzügigkeit, Wahrheit und Glauben." Der Enkel dachte über die Worte des Großvaters nach und fragte dann: "Und welcher Wolf gewinnt?" Der Cherokee antwortete: "Es wird der Wolf gewinnen, den du fütterst."

Ob wir die Finanz- und Wirtschaftskrise, den Klimawandel, die schwindende Ressourcen und den Raubbau an der Zukunft der kommenden Generationen meistern werden, hängt unmittelbar von unseren Entscheidungen ab. Klar ist: die Leitkultur der Verschwendung muss verschwinden. Es braucht allerdings Visionen, wie das 21. Jahrhundert gestaltet werden soll - Geschichten von besseren Lebensstilen, Geschichten über eine gelingende Zukunft. Dann - ist der deutsche Sozialforscher Harald Welzer überzeugt - wird sich eine zukunftsfähige Gesellschaft entwickeln.

Der Veränderungsprozess beginnt aber nur dann - so Welzer - wenn die Bürger beginnen sich und anderen Fragen zu stellen. Etwa: Warum muss man immer mehr arbeiten, wenn man immer mehr arbeitet? Warum werden die Schulden größer, wenn immer mehr gespart wird? Warum schrumpft alles andere, wenn die Wirtschaft wächst?

Harald Welzer, Jahrgang 1958, ist Direktor von FUTURZWEI. Er leitet die Stiftung Zukunftsfähigkeit in Berlin, ist Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und lehrt Sozialpsychologie an der Universität Sankt Gallen. Welzers neues Buch "Selbst denken" trägt den Untertitel "Eine Anleitung zum Widerstand".

Service

"ZEITGENOSSEN IM GESPRÄCH"
Sie können dabei sein: Michael Kerbler und "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid diskutieren mit der Internet-Theoretikerin Mercedes Bunz. Im Mittelpunkt stehen positive wie negative Veränderungen der Gesellschaft durch das Internet. Müssen wir uns schützen? Was ist zu beachten? Wie können wir profitieren? Das Gespräch wird am Freitagabend, 07. Juni, an der Universität Salzburg, genauer in der Edmundsburg am Mönchsberg, ab 19 Uhr aufgezeichnet. Der Eintritt ist frei!

Harald Welzer, "Selbst denken - eine Anleitung zum Widerstand", S. Fischer Verlag

Harald Welzer und Stephan Rammler, "Der FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2013 - Geschichten vom guten Umgang mit der Welt", S. Fischer Verlag

Harald Welzer und Claus Leggewie, "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten", S. Fischer Verlag

Robert und Edward Skidelsky, "Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens", Kunstmann Verlag, München

Übrigens: alle Vorträge der 32. Goldegger Dialoge zum Thema "Der freie Mensch - Autonomie und Verantwortung" erscheinen in einem eigenen Sammelband. Nähere Informationen finden Sie unter Goldegger Dialoge

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