Radiokolleg

Radiokolleg - Innovationen in den Tiefen der Holzbläser

Instrumentenporträt Fagott (3). Gestaltung: Astrid Schwarz

Von sonor über geheimnisvoll bis hin zu cantable wird der Klang des Fagotts beschrieben. Je nach Lage und Anforderung ist das Fagott ein sehr wandlungsfähiges Instrument. Das Doppelrohrblatt - kurz: Rohr genannt - spielt eine wichtige Rolle bei der Klangerzeugung.

Ein sehr persönliches Utensil, das Fagottist/innen unfreiwillig zu Handwerker/innen macht. Die Rohrherstellung scheint ein fast mystischer Vorgang, hängt doch einiges von diesem aus einem speziellen Schilfrohr gefertigten Stück ab. Da die Fertigung extrem zeitaufwendig ist, haben die meisten Fagottist/innen einen Erzeuger ihres Vertrauens, sodass sie dem sensiblen Rohr nur noch den letzten Schliff verpassen. Vor allem Orchestermusiker/innen haben mitunter verschiedene Rohre für unterschiedliche Stellen und Anforderungen des Stücks eingesteckt, um bei Bedarf schnell wechseln zu können.

In den meisten Orchestern findet sich das moderne Fagott in der deutschen Ausführung. Das französische Fagott - le basson - wird hauptsächlich ebendort verwendet und hat klanglich noch Ähnlichkeiten mit dem Barockfagott. Mitte des 17. Jahrhunderts war der französische Hof maßgeblich an der Weiterentwicklung der Vorgänger wie Bass-Pommer, Rankette und Dulzian beteiligt.

Daraufhin erlebte das Fagott eine Hochzeit. Antonio Vivaldi schrieb 39 Konzerte für Fagott. 37 sind vollständig erhalten. In mehreren Etappen wurde aus dem einteiligen Dulzian das vierteilige, moderne Fagott (ital.: il fagotto - das Bündel, bis Richard Wagner liest man in den Partituren auch: der Fagott)

Seit einigen Jahren mischt das Kontraforte den Orchesterklang neu. Diese deutsche Entwicklung orientiert sich am Tonumfang des Kontrafagotts, lässt aber viel präzisere, dynamischere Variationen zu. Ein Instrument, das nicht nur bei den Musiker/innen auf Begeisterung stößt - auch zeitgenössische Komponist/innen sind von den neuen Klangmöglichkeiten fasziniert.

Ein Exot bleibt das Fagott im Jazz - Mike Rabinowitz, Paul Hanson, Lindsay Cooper und Pop - beispielsweise im Ensemble von Manu Delago. Doch vielleicht gerade deshalb macht das oftmals als Orchesterclown bezeichnete Instrument eine gute Figur. Denn es gibt so gut wie nichts, was das Fagott nicht kann, so der einhellige Tenor der experimentierfreudigen Fagottist/innen.

Service

Bücher:

Monika Mertl/ Milan Turkovic: Die seltsamsten Wiener der Welt
Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus Musicus. Residenz Verlag, 2003

Gunther Joppig: Oboe und Fagott. Schott, 1984

Sebastian Werr: Geschichte des Fagotts. Wißner Verlag, 2011

William Waterhouse: Fagott. Bärenreiter Verlag 2003


Links:

Sophie Dartigalongue
Christof Dienz
Lorelei Dowling/Klangforum Wien
Richard Galler
Maria Gstättner
Milan Turkovic

Kontraforte

Sendereihe