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Die Nahost-Expertin Karin Kneissl bei den Sprechtagen in Wels

Die Nahost-Expertin Karin Kneissl analysiert die Veränderungen in der Weltgeschichte und versucht, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. "Alles wird anders, nichts bleibt. Über Wendezeiten" - so lautet das Thema der diesjährigen Sprechtage in Wels & Thalheim, die derzeit stattfinden.
Am kommenden Dienstag wird Kneissl dort u.a. über die Situation in Jordanien, dem Irak, Iran und Syrien sprechen - Regionen, die nach gewaltigen politischen Umwälzungen bekanntlich zu den Krisengebieten der Erde zählen. Die ehemalige Diplomatin und nunmehrige unabhängige Fachfrau Karin Kneissl hat den Arabischen Frühling auf dem Tahir-Platz miterlebt. Die Veränderungen seitdem sieht sie nicht als Fortschritt im griechisch-philosophischen Sinn, sondern als einen historischen Rückschritt
Was als Auflehnung gegen das Regime, aber auch als Abgrenzungsversuche der arabischen Länder gegen den globalisierten Westen begann, endete im Alltag nicht selten in einer Spaltung der Generationen, so Karin Kneissl. Und dennoch: "Der Nahe Osten ist das Thema meines Lebens. Dank ihm wurde ich zu der, die ich bin", schreibt Karin Kneissl in ihrem Buch "Mein Naher Osten", das im vergangenen Jahr im Braumüller Verlag erschienen ist. Nirgendwo werde man so warmherzig aufgenommen wie im Libanon, in Syrien oder in Israel, das sie erstmals mit 18 Jahren besuchte.

Für das krisengeschüttelte Syrien hegt Karin Kneissl übrigens große Hoffnung. Es könnte dort zu einer politischen Lösung und Beendigung des Kriegszustands kommen, meint sie. Aber auch an die Bevölkerung richtet Kneissl einen Appell: Flucht ist nicht der einzige Ausweg aus einer Krise.

Bis 1998 war Karin Kneissl im Diplomatischen Dienst tätig, heute ist sie u.a. gern gesehener TV-Gast als politische Analytikerin; außerdem unterrichtet sie in Wien und Beirut im Bereich internationale Beziehungen. Vor einiger Zeit hat sich die 50-Jährige auf einen kleinen Bauernhof in Niederösterreich zurückgezogen. Eine existentielle Veränderung nach ihrem jahrzehntelangen Reiseleben. - Und weil Karin Kneissl ein durch und durch politischer Mensch ist, gerät selbst ihr Privatleben zum Statement - etwa wenn sie sich über den Umgang mit Tieren äußert.

Kein Mensch steigt jemals in denselben Fluss, sagt ein chinesisches Sprichwort - ein Pendant zum griechischen "Alles fließt". Und wohl nicht von ungefähr erwähnt Karin Kneissl ebenfalls einen Fluss, wenn sie von der letzten Veränderung in ihrem Leben spricht: nämlich die Leitha, die sich ganz in der Nähe ihres Rückzugsortes befindet.- Gestaltung: Christa Eder

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