Radiokolleg

Radiokolleg - "Schwarzer Regen"

Hiroshima und Nagasaki in der Literatur (2). Gestaltung: Judith Brandner

"Die Wolke hing drohend über der Stadt, als wollte sie sich darauf stürzen. Eigentlich hatte der Wolkenpilz eher die Form einer Qualle. Er war ein Sendbote des Teufels, denn wer sonst in der ganzen weiten Welt hätte ein solches Monstrum heraufbeschwören können?", schreibt Masuji Ibuse in seinem 1965 veröffentlichten Roman "Schwarzer Regen", eines der berühmtesten Werke der "Atombombenliteratur" (Übersetzung: Otto Brandstädter). Ibuse beschreibt darin u.a. die gesellschaftspolitischen Folgen des ersten Atombombenabwurfs in der Geschichte der Menschheit - wie die Diskriminierung und Ächtung der Opfer.

Die Atombombenliteratur vereint unterschiedliche Generationen von Schriftsteller/innen und Genres: Romane, Erzählungen oder Essays, Manga, traditionelle Gedichte wie Haiku oder Tanka. Viele Autor/innen sind Überlebende, die von ihren eigenen Erfahrungen am 6. bzw. 9. August 1945 authentisches Zeugnis ablegen, wie etwa Yoko Ota, Toge Sankichi oder Hayashi Kyoko, die die Atombombe auf Nagasaki erlebte.

Im berühmten, 2.500 Seiten starken Manga "Barfuß durch Hiroshima" erzählt der Zeichner Keiji Nakazawa mit stark autobiografischen Zügen das Überleben des sechsjährigen Gen Nakaoka nach der Bombe. Starke politische Stellungnahmen im Kampf gegen Atom- und Wasserstoffbomben sind etwa die Gedichte von Sadako Kurihara, aber auch die Hiroshima-Notizen von Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe. Aufgrund der Zensur der US-Amerikanischen Besatzungsbehörden, die jegliche Publikationen über die Atombombe verbot, konnten die ersten Werke erst nach dem Ende der Besatzung, in den 1950er- bzw. '60er-Jahren, erscheinen.

Als einer der ersten westlichen Autoren besuchte der österreichische Journalist und Autor Robert Jungk 1957 Hiroshima. Sein Roman "Strahlen aus der Asche" ist ein eindrucksvoller Bericht, den er auf der Basis von Interviews mit Atombombenopfern verfasste. - Heute spannen einige Schriftsteller in ihren Werken den Bogen von Hiroshima und Nagasaki zu Fukushima.

Service

Günther Anders: Hiroshima ist überall. Beck'sche Reihe, 1995
Jürgen Berndt (Hrsg.): An jenem Tag - literarische Zeugnisse über Hiroshima und Nagasaki. Volk und Welt Berlin, 1985
Claudia Hahm (Hrsg.): Bedenkliche Zeiten - Gedichte und Texte zu Hiroshima und Nagasaki. Bund Verlag, Köln 1985
Lisette Gebhardt, Steffi Richter (Hg): Lesebuch "Fukushima". EB Verlag, Berlin 2013
Hayashi Kyoko: Verstrahltes Leben. Angkor Verlag, 2011
Masuji Ibuse: Schwarzer Regen. Aufbau Verlag, 1977
Narihiko Ito, Siegfried Schaarschmidt, Wolfgang Schamoni: Seit jenem Tag: Hiroshima und Nagasaki in der japanischen Literatur. Fischer TB, 1984
Robert Jungk: Strahlen aus der Asche. Heyne Sachbuch, München 1990
Shuichi Kato: Schafsgesänge. Inselverlag, 1997
Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima. (4 Bände, Kampf ums Überleben und Kinder des Krieges) Carlsen Comics, Carlsen Verlag, Hamburg 2005
Kenzaburo Oe: Hiroshima Notes. Grove Press, New York 1995
Jürgen Berndt (Hrsg.): An jenem Tag - literarische Zeugnisse über Hiroshima und Nagasaki. Volk und Welt, Berlin 1985
Makoto Oda: A Hiroshima Novel. Kodansha, 1990
Meine kleine Schwester Sadako. Übersetzt von Mio Aizawa. Hrsg. von Ingrid und Christian Mitterecker. Heidenreichstein, Publication PN 1 Bibliothek der Provinz, 2005
Literatur und Kritik, Mai 2011, Sonderheft zu Hiroshima und Nagasaki. Verlag Otto Müller, Salzburg

Friedensmuseum von Hiroshima
Robert Jungk
JBZ-Publikationen

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